The CBd
Michel, BM on CBd-417
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 23, no. 38.

Dunkelbrauner Jaspis, schwach poliert. Hochoval, Vs. leicht konvex, Rs. flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante nach vorn. Absplißmulde am Rand rechts.

2,8 x 1,8 x 0,4
2. Jh.n.Chr.
Aus der Sammlung BIacas.
Brit. Mus. Inv. G 432, EA 56432.

Vs.: Auf einem Podest als GrundIinie ein konkaver, gestrichelter Gefäßständer mit einem Krugbild. Auf dem ovaIen Kanopenkörper Kerben, die Hieroglyphen andeuten, an der rechten Wandungskontur mehrere Brüste, ähnlich der Artemis von Ephesos. Das Gesicht der Figur ist im Profιl nach rechts gezeigt. Die Wangen sind rundlich, die Lippen kaum ausgearbeitet, dennoch deutlich, die Nase ist grob in griechischem Profil, das Auge groβ mit Brauenwulst angegeben. Langes Haar oder eine Perücke fallen auf die Gefäßschulter herab, auf dem Kopf eine Krone.

Rs.: Auf einem rechteckigen Podest (Tabula ansata) eine mit Schurz bekleidete Figur frontal, Beine und Kopf im Profil nach links. In der herabhängenden Linken trägt die Figur eine Schleifen, das Zeichen für Schutz, auf der angewinkelt ausgestreckten rechten Hand steht eine Kanne mit kurzem Hals und spitz nach oben gezogenem Henkel. Am Kopf der Figur sind Mund, Nase und Auge klar erkennbar. Langes Haar fällt auf die Schultern, es ist wohl die Perücke gemeint, die sogar in Perlen zu enden scheint, auf dem Kopf eine Krone. Im freien Feld verteilt nicht transkribierbare Zeichen und ->Charakteres, in der Tabula ansata Inschrift in zwei Reihen:
ΑΗΥ
IOY
->Vokalreihe

Die Figur der Vs. könnte das Krugbild der Isis (von Menuthis) darstellen, wenngleich die Krone eher auf Osiris hinweist. Sowohl Anubis als auch Osiris und Isis konnten als derartige Kompositgebilde dargestellt werden, die generell in der Form von hochschultrigen Gefäßen oder Hydrien im Zusammenhang mit der Wasserspende stunden. Die ältesten datierten Beispiele treten ohne entsprechende ägyptische Vorbilder auf römischen Münzen aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts auf, s0 daß man die bildlichen Darstellungen des „Οsiris-in-Hydria“ für ein römisches Phänomen hält. Von den geIäufigeren Osirisdarstellungen ist bekannt, daß sie sich mit einer komplizierten Thematik beschäftigen, auf den Gefäßen üblicherweise in erhabenem Relief dargestellt - nur durch hieroglyphenähnliche Zeichen auf der Gefäßwandung angedeutet: das Bildprogramm ist auf das Wasser als Quell für das Leben nach dem Tod bezogen sowie das Wasser als Mittel, mit dem der Gläubige den Τod besiegen kann. Die „Gefäße“ dienten nicht als Behälter, sondern im übertragenen Sinne sollte der Körper des Osiris mit Wasser getränkt werden und mit ihm zu einer Einheit verschmelzen. Auch der Gefäßständer erinnert an die Hieroglyphe Wasser mit einem Schiff, in dem die Vase ruht. Ohne die Wirksamkeit des Rituals zu beeinträchtigen, konnte der Kopf der Isis mit dem des Osiris Vertauscht werden, so daß sich im Verlauf des zweiten Jahrhunderts eine Standardisierung des Isis-in-Hydria Motives entwickelte. Auch die Figur der Rs. ist im Zusammenhang mit dem Ritual der Wasserspende zu sehen, das Amulett beinhaltet Somit Aspekte des Regenerationsgedankens.

Äußerst kleinteilig und subtil gearbeitetes Bild mit Herausmodellierung des Gesichts und Differenzierung von Wangen- und Nasenpartien, die glatt belassen sind, sowie im Gegensatz dazu veristisch ausgeführten Haarsträhnen. Auch die Wölbung des Gefäßbauches ist gut gezeichnet und mit Binnenzeichnung (Hieroglyphen) versehen. Die Qualität entspricht dem hohen Standard der hadrianischen Glyptik und überragt vergleichbare Stücke.

Lit.: Zum Thema: BONNER, MISCELLANY 146ff. zu Nr. 32; PHILIPP, BERLIN 34f. zu Nr. 10 /CBd-1986/12 /CBd-1988/; BOUSSAC - SΤARAKIS (1983) 471f. zu Nr. 38-40; G. CLERC - J. LECLANT, in: LIMC VII 1 (1994) 116B s.v. Osiris Kanopos. - Zu den Kanopenfiguren: W. WEBER, Die ägyptisch-griechischen Terrakotten (1914) 19ff.; KATALOG Ägyptisches Museum Berlin (1967) 107 zu Nr. 1018, 1019; Α. ROULETT, The Egyptian and Εgyptianizing Monuments of imperial Rome (1972) 99f. Nr. 145; KATALOG Kleopatra. Ägypten um die Zeitwende, Ausstellung München (1989) 308 zu Nr. 130. - Zu der Krone: E. VASSILIKA, Ptolemaic Philae (1989) 289, 306ff.

Vgl.: Zu Κanopen auf magischen Gemmen: Roter Jaspis AGWIEN III 156f. Taf. 92, 2190 /CBd-2433/; Glas, tiefblau PETRIE, AMULEΤS 30 Taf. 21, 135o. - Zum Motiv der Rs.: Lapislazuli BONNER 289 Taf. 10, 215 /CBd-1404/. - Zum Thema: Ηämatitzylinder BONNER, MISCELLANY 146B Nr. 32 (ohne Abb., äg. Priester beim Ritual der Wasserspende); Roter Jaspis SLIWA, CIAΖΥNSΚI COLL. 72 Taf. 20, 95 (Canopus im Tempel). - Zu Οsiriskanopen auf Gemmen allg.: Onyxe, Achat, Karneol und Chalcedon SLIWA, CIAZYNSΚI COLL. 70ff. Taf. 20, 90-94; Sardonyx, Kameol und Onyx BOUSSAC - SΤARAΚIS (1983) 471ff. Nr. 38-40 Abb. 37-39. - Auf Münzen: G. DAΤΤARI, Monete Imperiali Greche, Numi Augg. Alexandrini I,II (1901) 29, 87, 241 Taf. 11, 472.1322. 3620; A. GEISSEN, Katalog Alexandrinischer Kaisermünzen der Slg. des Instituts für Altertumskunde der Universität zu KöΙn I (1974) 82 Nr. 252.253; S. HANDLER, Αrchitecture on the Roman Coins from Alexandria, AJA 75, 1971, 63f. Τaf. 11, 8, 1012. - Zu Isis-in-Hydria: KATALOG Kleopatra. Ägypten um die Zeitwende, Ausstellung München (1989) 308 Nr. 130.
Last modified: 2015-08-19 11:14:11
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