The CBd
Michel, BM on CBd-419
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 25-26, no. 40.

Dunkelgrüner Jaspis mit gelb-braunen Flecken und Punkten, schwach poliert, in den Vertiefungen matt. Vs. flach, Rs. leicht konvex, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante unregelmäßig nach vorn. Absplißmulde auf der Vs. links unten, kIeine Absplisse oben, rechts und auf der Rs. unten. Ringstein.

2,3 x 1,7 x 0,4
3. Jh.n.Chr.
Gekauft von Rev. G.J. Chester (1889).
Brit. Mus. Inv. G 511, EA 56511.

Vs.: Auf einer Grundlinie im ProfiI nach rechts Anubis im Knielaufschema, mit erhobenen Armen die Mumie des Osiris tragend. Der menschliche Körper ist unbekleidet, die Glutäen betont, der Nabel auf dem gewölbten Abdomen angegeben. Anubis hat beide Arme leicht angwinkelt erhoben, die Brust ist nach vorn gedreht. Die Hände sind ausgearbeitet, Finger angegeben. Der Kopf ähnelt eher dem eines Esels oder Pferdes als einem Schakalkopf mähnenartig abstehendes FeIl, spitze Ohren und eine längliche Schnauze sind angedeutet. Über dem Kopf, waagerecht gehalten, die Osirismumie, der Mumienkörper mit x-förmigen Linien überzogen, Füße und Arme nicht angegeben. Der mit Sonnendiskus bekrönte Kopf der Mumie mit angedeutetem Kinn, Lippen und Nase blickt im Profil nach oben, ist jedoch nicht angehoben. Im freien Feld rechts vor Anubis ein hoher Palmzweig, links eine Scheibe mit einem Loch in der Mitte (Kranz, Vollmond?).

Rs.: Queroval. Inschrift in zwei Reihen:
ΑΔΥΔIΑ W
ΛΥΚΥΝΞ
Enthalten sind ->Iaô und „Lykynx”
Das Wort ΛΥΚΥΝΞ erinnert an du griechische Wort λύκος fier „Wolf“ bzw. λύγξ („schlucken”) und erscheint auch regelmäßig auf Gemmen mit Kerberοs-Bild, so daß eine Beziehung zu „Hund” offensichtlich ist. Lykynx zählt zu den Geheimnamen der sieben Planeten, wie sie auf einigen magischen Jaspis-Gemmen sowie in den Ζauberpapyri im Vokativ genannt werden: Sêmea, Kantey, Kentey, Kontey, Kêridey, Darynkô, Lykynx. Unklar ist, welcher Planet mit Lykynx angesprochen ist: der Hund (Hundstage, Hundsstern) und die im Gemmenbild implizierte Thematik sind beispielsweise innerhalb der Mithrasmysterien mit dem 4. Grad des Löwen verbunden, der durch ein Sistrum symbolisiert werden konnte und unter dem Schutz des Jupiter stand. Auf einer argivischen Weihe-Stele des 2. Jhs. mit der Büste der Luna und den Zeichen des Ζodiaks erscheint das ähnlich klingende „Lykysynta” dagegen in einer Anrufung an die Mondgöttin, so daß ebenso eine Beziehung zum Mond vermutet werden könnte.

Entsprechend ägyptischer bildlicher Darstellungen und Texte, die Anubis vorrangig als Mumifizierer, Führer und Geleiter des Toten in die Unterwelt oder in seiner Aufgabe als Seelenwäger beim Totengericht zeigen, ist Anubis auf den magischen Gemmen auch als Totengott und Psychopompos charakterisiert. Ähnliche Inhalte wie mit dem im Knielauf die Mumie tragenden Anubis werden etwa mit einem andernorts belegten Gemmenmotiv artikuliert, das nicht nur ägyptischen Darstellungen in den Privatgräbern der Ptolemäer- und Römerzeit, Μumientäfelchen und demotisch beschrifteten Stelen aus Dendera entspricht, sondern auch unter den Zeichnungen der magischen Papyri erscheint: Anubis steht hinter einer Löwenbahre, auf der die von ihm ge fundenen, zusammengefügten und einbalsamierten Glieder des Osiris in Form einer Mumie liegen. Der vor dem Gott dargestellte Palmzweig ist ein Ewigkeitssymbol und ebenfalls mit dem Totenkult verbunden, ebenso könnte mit der runden Scheibe auf den (VoII)Μond angespielt sein, dessen Abund Zunehmen im Totenglauben des römischen Ägypten mit dem Erneuerungsgedanken parallelisiert wurde. Auch Anubis selbst wurde mit dem Mond assoziiert bzw. als Mondgott aufgefaßt, was auch durch die Inschrift der Rs. angedeutet sein könnte. Auf einem Sarg der Spätzeit sagt der Gott von sich: „Ich verjünge ihn so, wie es der Mondgott monatlich tut”. Da jeder Mensch nach dem Τode mit Osiris identifiziert wurde, war Αnubis für jeden Verstorbenen zuständig und wurde der Totengott schlechthin. Mit derartigen Amuletten sollte Somit den Trägern die Hoffnung auf Überwindung des Todes und Verjüngung vermittelt und zueigen gemacht werden.

Grober Stil, im ganzen mehr piktogrammartig als veristisch darstellend.

Lit.: Zum Motiv: BARΒ, SEΤH OR ANUΒIS? 367ff.; G. ROEDER, Mythen und Legenden um ägyptische Gottheiten und Pharaonen (1960) 169f., 172 (Pyramidentext 632); WORTΜANΝ, NILFLUT 79; AGD III ΚASSEL 196 zu Nr. 21; PHILIPP, BERLIN 80 zu Νr. 109 /CBd-2056/; - Ζu Anubis: Τ. ΗOΡFNΕR, Archiv Orientálni 3, I931, 129 und ebenda 7, 1935, 97ff.; ΗOPFNER, TIERKULT 49; H. HERBER, in: RAC I (1950) 480. s.v. Αnubis; S. MORENΖ, in: Staatliche Museen zu Berlin, Forschungen und Berichte I, 1957, 52-70, Αbb. 1, 8, 9; DERS., Religion und Geschichte des alten Ägyptens (1975) 231ff. Abb. 3.9.10; DELATTE-DERCHAIN 89-103; B. ALΤENΜÜLLER, in: LÄ I (1975) 328 s.v. Anubis; J. LECLANT, in: LIMC II (1981) 862ff. s.v. Anubis; T. DUQUESNE, Anubis and the sρirits of the West. Studies of the Jackals and the solarbarque in Egyptian Religion. Oxfordshire Communication in EgyρtoIogy I (1990); DERS., Jackal at the Shaman's Gate. Oxfordshire Communication in Εgyptology III (1991) 56-135 (Lit.); W.M. BRASΗEAR, Magica Varia, PapyroIogica BruxelIensia 25, 1991, 58f.; 12 /CBd-391/(Lit.). - Ζu Palme und Mond als Regenerationssymbole: I. WALLERΤ, Die Palme im alten Ägypten (1962); J. HUBAUX - M. LEROY, Le mythe du phénix (1939) 38, 102ff.; WORTMANN, ΝILFLUT 105; D. ΚURTH, Der Sarg der Teüris, Aegyptiaca Treverensia - Trierer Studien zum Griechisch-römischen Ägypten, Band 6, 1990, 28 und Αnm.390 (Lit.). - Ζu ΛΥΚΥΝΞ und den Planetennamen: L. MERCΚLIN, Archäologische Zeitung 14, Nr. 96, 1856, 260-263 Taf. 96, 2; PREISENDAΝΖ, PGM III 206, IV 3105.3119; BETZ 24 Anm.48; A. DELAΤTΕ, Un bas-relief gnostique, Musée BeIge 17, 1913, 321ff. Musée Belge 18, 1914, 18; J. KEIL, Amulett mit Planetengöttern, ÖJh 36, 1946, 135ff.; BONNER 196 Anm.46; BONNER, VIENNA 270ff.; R. MERKELBACH, Die römischen Mithrasmysterien, in: Spätantike und frühes Christentum, Ausstellungskatalog Liebighaus Frankfurt (1983/1984) 130; DERS., Mithras (1984) 79; S.J. PATTΕRSON, A Note an Argive Votive Relief of SeIene, HThR 78, 1985, 439-445 Αbb. 1.2; DERS., HThR 83, 1990, 339ff.; W. BRASHEAR, Α Further Note on an Argive Votive Relief of SeIene, ΗThR 83, 1990, 333ff., bes. 337; ΗARRAUER, MELIOUCHOS 16f.; BRASHEAR, MAGICAL PAPΥRI 3428 Anm.228, 3591 s.v. λυκυσυντα, 3599 s.v. Σημεα.

Vgl.: Zum Motiv: Rot-grüner Jaspis SKOLUDA 47 /CBd-1602/, SΤERNBERG AUKTION 23, 1989, 68f. Νr. 229; Grüner Jaspis BONNER 254 Taf. 1, 7 /CBd-1158/ und 321 Taf. 21, 394 /CBd-1541/ (Abdruck); Heliotrop AGD I, 3 MÜNCHEN 120 Taf. 279, 2903; Grüner Jaspis PIEPER, AΒRAXASGEMMEN 140 Taf. 22, 9851; hier 41 /CBd-420/, 42 /CBd-421/, thematisch ferner 17 /CBd-396/. - Ζu Anubis als Totengott und Balsamierer hinter der Mumie auf Löwe oder Löwenbahre: Siegellackabdruck WORTMANN, GEMMEN 69 Nr. 8; Glas, schwarz BRITMUS Inv. M&LA 84,5-9,11 (Anubis mit Schlüssel, unpubI.); Schwarze Jaspisse DELATTE-DERCHAIN 97f. Nr. 120.121; Grüner Jaspis GETTY MUSEUΜ Inv. 83.ΑN.437.51 /CBd-2347/ (unpubl.); Brauner Jaspis PETRIE, AMULETS 30 Taf. 21, 135e; Bronzeanhänger mit Öse BONNER, MISCELLANΥ 146 Taf. 35, 31; Basalt, dunkelgrün SCHWARΤΖ (1979) 169 Taf. 35, 21 /CBd-1770/; Grün-brauner Jaspis AGD III ΚASSEL 231 Taf. 102, 142; Grüner Jaspis RIDDER, DE CLERCQ COLL. 783f. Taf. 29, 3481; Grüner Jaspis ΖAΖOFF, ΗΑNDΒUCH 358 Anm.54 Taf. 112, 4; Grüner Jaspis MANDRIOLI BIΖΖARRI, BOLOGNA 133 Nr. 266; Hämatit, roter und schwarzer Jaspis BONNER 254f. Taf. 1, 8 /CBd-1096/10 /CBd-1276/; ferner grüner Jaspis DELATTE-DERCHAIN 98 Nr. 122; GIas, schwarz BONNER 255 Taf. 1, 11 /CBd-1277/; Grabstele mit Balsamierungshalle: KATALOG KIeopatra Ägypten um die Zeitenwende, Ausstellung München (1989) 286 Nr. 118; Papyrus BRUNNER, OSIRIS Abb. S. 97; PREISENDANΖ, PGM XII, Kol. ΧVII Taf. 2, 12; BEΤΖ 171 Abb.; ferner Mumie auf dem Löwen: 277 /CBd-663/, 278 /CBd-664/. - Zum Wort ΛΥΚΥΝΞ in Verbindung mit Kerberos: Magnetit FOSSIΝG, KOPENHAGEN 250 Νr. 1866 (ohne Αbb.); Magnetit GETTY MUSEUΜ Inv. 85.AΝ.370.38 /CBd-2384/ (unpubl.); Magnetit SENA CHIESA, AQUILEIA 426 Taf. 79, 1561. - Ζu ΛΥΚΥΝΞ als Planetenname: Heliotrop R. MERKELBACH, Mithras (1984) 82, 393 Αbb. 165; Karneol-Frgt. G. BEVILACQUA Una Gemma „Gnostica” dall' Antiquarium Comunale, Bollettino die Musei Comunali di Roma 9, 1995, 27ff. Αbb. 1.2; Heliotrop M.J. VERMASEREN, Corpus Inscriptionum et Monumentorum Religionis Mithriacae (1960) 391 Nr. 2354 Abb. 653; Grünroter Jaspis AGD ΙΙΙ KASSEL 236 Τaf. 105. 157; Grün-roter Jaspis BONNER 281 Taf. 8, 172 /CBd-451/; Serpentinit PHILIPP, BERLIΝ 120 Taf. 53, 197 /CBd-2149/; Glas, gelb L. MERCKLIN, Archäologische Leitung 14, Nr. 96, 1856. 260-263 Taf. 96, 2.
Last modified: 2015-08-19 11:45:35
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