The CBd
Michel, BM on CBd-483
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 54-55, no. 83.

Hämatit, poliert. Queroval, beiderseits flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante scharf. Rechts ein großes Stück abgebrochen. Ringstein.

1,7 x 1,8 x 0,2
3. Jh.n.Chr.
Aus der Sammlung Βlacas.
Brit. Mus. Inv. G 406, EA 56406.

Vs.: Ares und Aphrodite auf einer Grundlinie stehend. Links Aphrodite Anadyomene frontal, mit Peplos bekleidet, Faltenwurf ist nicht angegeben, auch zeichnen sich die Beine oder Körperkonturen nicht unter der Bekleidung ab. Mit beiden angewinkelt erhobenen Armen breitet die Göttin ihr langes Haar aus. Das frontal gezeigte Gesicht ist als glatte, unbearbeitete Fläche belassen. Rechts neben ihr Ares in Rüstung, frontal stehend, der Kopf im Profil nach links Aphrodite zugewandt. Die Rechte ist leicht angewinkelt auf den im Profil gezeigten Buckelschild gelegt, die Linke hält angewinkelt erhoben eine hohe Lanze. Das Profil des Kriegsgottes ist nur grob mit langem spitzen Kinn, offenem Mund und dreieckiger Nase angedeutet, auf dem Kopf ein Helm mit Helmbusch. Ιm freien Feld oben eine große, beinahe kreisförmige Mondsichel, darunter senkrecht untereinander drei acht strahlige Sterne. Links neben Aphrodite senkrecht von oben nach unten geschrieben:
IAW
Darunter ein weiterer achtstrahliger Stern. Rechts neben Ares ursprünglich wohl ebenfalls eine Inschrift, durch Abspliß verlorengegangen. Die letzten beiden Buchstaben des Wortes sind unter der Grundlinie erhalten, von rechts nach link:

Eine weitere senkrechte Kerbe über dem Kopf des Gottes (Ι) könnte ebenfalls zur Inschrift gehört haben:
IAW.... I... WΘ
Ζu ergänzen zu ->Ιaô, ->Sabaôth

Rs.: Pseudoinschrift in fünf Reihen, nicht transkribierbar.

Rand:
W AΘAΝAΛΒ
Ζu ergänzen zu ->Iaô, ->Ablanathanalba-Ρalindrom

Aphrodite und Ares, der wie üblich im Typus des Mars Ultor dargestellt ist, spielen im Liebeszauber eine zentrale Ralle, die auch in den Papyri immer wieder zum Ausdruck kommt. Weiterhin ist Ares auf den Steinen als der für die Leber zuständige Gott genannt, die Leber galt jedoch nicht nur als Quelle des Blutes, sondern auch als Sitz der Begierde und der Leidenschaften, die wiederum eher in den Bereich Aphrodites gehören. Die Verbindung Ares-Aphrodite scheint prinzipiell auf der Aufhebung der Gegensätze zu beruhen, so können - wie es noch in astrologischen Texten des I8. Jahrhunderts beschrieben wird -, die dem Planeten Mars zugesprochenen schlechten Eigenschaften durch die Venus aufgehoben und unschädlich gemacht werden. Während Mars über die männlichen Geschlechtsteile regiert, unterstehen der Venus die weiblichen, während Mars für Gebärende schädlich ist, gilt Venus als heilsam, Mars hat austrocknende Wirkung und Hitze zur Folge, Venus dagegen Feuchtigkeit und Wachstum.

Sehr grob und flüchtig im Stil der spätkaiserzeitlichen Glyptik geschnitten, die Figuren nur silhouettenhaft dargestellt, Details wie Gesichter Oder Binnenzeichnung bei Kleidung fehlen. Die Haltung der Götter ist steif und eckig und nur als Schema übernommen (Mars Ultor).

Ρubl.: GOODENOUGH II 284 Anm.562, III 1183.

Lit.: Zum Verhältnis Ares-Aphrodite in der Μagie: A. BLΑNCHET, Venus et Mars sur des intailles magiques et autres, CRAIBL, 1923, 220ff.; BETΖ/PREISENDANΖ, PGΜ IV 295ff.; BONNER 42; DELATTE-DERCHAΙΝ 239ff.; P. DU BOURGUET, Ensemble magique de la periode romaine en Εgypte, La revue du Louvre 25, 1975, 255ff.; S. KAMBITSIS, Une Νouvelle Tablette Μagique d' Εgypte, ΒIFAΟ 76, 1976, 213-223 Τaf. 30.31; .J.G. GAGER, Curse Tablets and Βinding Spells from The Ancient World (1992) 94ff.; W.Μ. BRASHEAR, Ein neues Zauberensemble in München, Studien zur Altägyptischen Kultur 19, 1992, 81f.; F. GRAF, Gottesnähe und Schadenzauber. Die Μagie in der griechisch-römischen Antike (1996) 121ff., 124ff., 137f.; ferner 383 /CBd-754/, 385 /CBd-756/(Lit.). - Zur Leber im Liebeszauber: WM. BRASHEAR, Ein Berliner Zauberpapyrus, ΖPΕ 33, 1979, 272 zu Zeile 19. - Zum Hämatit: 385 /CBd-756/(Lit.). - Ζu Venus und Mars: Η. BIEDERMANN, Lexikon der magischen Künste, die Welt der Μagie seit der Spätantike 3(1991) 293f. s.v. Μars, 440f. s.ν. Venus. - Ζu Aphrodite Anadyomene: 76 /CBd-476/(Lit.).

Vgl.: Ζu Ares und Aphrodite: Hämatit DELATTE-DERCHAΙN 244 Νr. 335bis o.Abb.; Glas, blau ΒONNER 279 Τaf. 8, 159 /CBd-1365/; hier 84 /CBd-484/, 278 /CBd-664/. - Ζu Aphrodite und Ares im Liebeszauber: Serpentin SKOLUDA 98 /CBd-1727/. DELATTE-DERCHAIN 241 Νr. 330; Quarz, grüner Jaspis, Lapislazuli und Hämatit DELATTE-DERCHAIN 241ff. Νr. 331-335; Abdruck nach Lapislazuli ΜANDEL-ΕLΖINGA (1985) 290f. Abb. 13, 67. - Zum Motiv Aphrodite Anadyomene: 76 /CBd-476/(Vgl.)78 /CBd-478/(Vgl.), 79 /CBd-479/82 /CBd-482/. - Ζu Ares und Leber: 385 /CBd-756/(Vgl.), 386 /CBd-757/, ferner 383 /CBd-754/(Vgl.), 384 /CBd-755/.
Last modified: 2015-08-27 12:24:06
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