The CBd
Michel 2001 on CBd-1633
Michel 2001, 87, No. 93.
Slg. Skoluda M012 (Michel 26)
3,25 x 2,80 x 0,55
3. Jh. n. Chr.
Hämatit, poliert, beiderseits flach, Rand stark nach hinten abgewölbt, Kante rund. Auf der Rückseite ein Abspliß, sonst gut erhalten. Streichelstein oder Medaillon.
Vorderseite
Hochoval. Im freien Raum unten links im Bildfeld ein frontal auf einer Grundlinie stehender Krieger, den Kopf nach rechts gewendet, Profil mit kurzem Bart, Nase und Lippen angedeutet. Mit der erhoben angewinkelten Rechten stützt er sich auf seine Lanze, in der herabhängenden Linken hält er einen im Profil gezeigten Buckelschild. Silhouettenhaft ist ein Helm mit Büscheln entworfen, mit winzigen Waagerechtlinien sind Stiefel markiert. Bei der Rüstung sind Lederschurz sowie Schwertriemen oder Chlamys durch Diagonallinien angedeutet. Rechts neben der Darstellung eine Inschrift in zwölf Reihen in der Form eines »Schwindeflügels« (Pterygoma).
ΔIΨACTANTAΛAIEMAΠI
IΨACTANTAΛAIEMAΠIE
ΨACTANTAΛAIEMAΠIE
ACTANTAΛAIEMAΠIE
CTANTAΛAIEMAΠIE
TANTAΛAIEMAΠIE
ANTAΛAIEMAΠIE
NTAΛAIEMAΠIE
TAΛAIEMAΠIE
AΛAIE • • ΠIE
ΛAI • • •
διψᾷς Τάνταλ(ε), αἷμα πίε
»Wenn du dürstest, Tantalos, trinke Blut«.
Rückseite
Hochoval. Geometrisch lineare Zeichnung eines Uterus, umgeben von Buchstaben und Zeichen
IAΔ
WNOEIEIΛΔWA
CABAW
AEHIOYW
Zu lesen als: AΔWN(AI) EI(C) Θ(EOC)
AΔW(N)A(I) CABAW(Θ) AEHIOYW
→Adônai, der einzige Gott,
→Sabaôth, →Vokalreihe?
Bei dieser Lesung stünde EIΘ für εἷ(ς) θ(εός), »einziger Gott«, wobei – deshalb als Buchstabe unklar ambivalent geschrieben – das Theta sowohl Theta und Abkürzung für Ih« als auch Sigma für EIS wäre. Eine weitere Möglichkeit bestünde darin, AΔWNOEIΘAΔWA als Verschmelzung von AΔWNAI und dem hebräischen Wort ME(A)ΘAΔWA? bzw. NOEIMEAΘAΔWA aufzufassen, worauf Barb verweist. Damit wäre in der Inschrift der Name des syrischen Gottes Hadad enthalten (Barb: »de la part de Hadad«).
Der voll bewaffnete Krieger im Winkel des Pterygomas auf der Vorderseite folgt dem römischen Typus des Mars Ultor und stellt, den Papyri und anderen Schriftquellen folgend, den u.a. mit dem syrischen Hadad identifizierten griechischen Gott Ares dar. Diesem schrieb man in der Magie Macht über die Leber als Quelle des Blutes und somit über das Blut selbst zu. Das Material Hämatit, die Tantalos-Inschrift in Schwindeform sowie das Bild des Ares/Mars sollten in ihrer Gesamtheit dem Amulett styptische Wirkung verleihen. Durch die Inschrift in Schwindeform wird dem hier als Dämon verstandenen Blut mit seiner vollständigen Vernichtung gedroht (Tantalus), falls es nicht aufhört zu fließen.
Publikation
Michel, Amulettgemmen 383ff. Abb. 14ab; Michel, BritMus 243f. zu Nr. 383 /CBd-754/ (Lit.); Michel, Studie 28.12.a, Taf. 56, 5.
Literatur
Zu Motiv und »Tantalos«-Inschrift: H. Seyrig, Invidiae Medici, Berytus 1, 1923, 1ff.; Bonner 87f., 276 zu Taf. 7, 144 /CBd-1357/; Barb, Tantale 271ff.; Delatte–Derchain 258f. zu Nr. 364; Michel, Amulettgemmen 383f. zu Abb. 14; A. Mastrocinque, Studi sulle gemme gnostiche, ZPE 130, 2000, 137f.; Michel, BritMus 54f. zu Nr. 83 /CBd-483/ (Lit.), 243f. zu Nr. 383 /CBd-754/ (Lit.). – Zum Schwindedreieck: Betz/Preisendanz, PGM I 139, II 4-5, III 70, 152, 766, X 29ff.; A.M. Kropp, Ausgewählte Koptische Zaubertexte III (1930) 139; R. Kotansky, Two Amulets in the Getty Museum. A Gold Amulet for Aurelia's Epilepsy. An Inscribed Magical Stone for Fever, »Chills« and Headache, GettyMusJ 8, 1980, 184ff. zu Abb. 3.4.
Vergleiche
Zu »Tantalus – Schwindeinschrift« mit Krieger im Typus des Mars Gradivus: Hämatit Bonner 276 Taf. 7, 144 /CBd-1357/; Hämatit Delatte–Derchain 258f. Nr. 364; Hämatite Michel, BritMus 243f. Taf. 56, 383 /CBd-754/.384 /CBd-755/ (Vgl.); Hämatit Festugière 287f. Taf. 1, 1.
 
Last modified: 2016-04-24 22:44:15
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/2082

Related objects: 5 item(s)