The CBd
Michel 2001 on CBd-1636
Slg. Skoluda MN128
1,88 x 1,10 x 0,70
Neuzeitlich
Amethyst, poliert, beiderseits stark konvex, Mittelgrat abgerundet. Absplitterung oben. Ringstein.
Vorderseite
Hochoval. »Hermes« als Inschriftenfigur auf kurzer Grundlinie nach rechts schreitend. Die Haare sind lang und fallen bis zur Schulter, das Gesicht ist ausgearbeitet. Der Körper der Figur ist linear umrissen und mit Schriftzeichen ausgefüllt. In schwachen Konturen ist ein Schurz angedeutet. In der Linken ein langer Stab, der von einer senkrechten Inschrift daneben begleitet wird, in der herabhängenden Rechten ein Ankh. Die Inschriften bestehen vorrangig aus Vokalreihen und →Charakteres.
Kopf                  IEOY IAH
Körper               IAHWOY IAWOY IAEWY IAEW
Rechtes Bein     HIOYWOIE AW
Linkes Bein       OIWCYWHOI
Linker Arm        IAEOY W IA
Rechter Arm      EHWOY EA I
Entlang des Stabes und im Segment unter der Grundlinie →Charakteres und →Buchstaben.
Rückseite
Hochoval. Inschrift in zwei Reihen
ΔAMNA
MENEY
»Damnameneus«
Damnameneys ist eines der ursprünglichen Ephesia grammata und einer der idäischen Dactylen. Die Verwendung als magischer Name oder Epitheton in Verbindung mit Sonnengottheiten ist häufig und auch in Zaubertexten belegt. Es handelt sich wohl nicht um einen speziellen Namen oder Gott, sondern um ein allgemein verwendbares und wirksames Zauberwort.
Inschriftenfiguren kommen meist auf Amethysten und Bergkristallen vor. Die Inschriftenfolge soll auf jüdische Vorstellungen der Hermesgestalt zurückgehen und beruht auf der Gliedervergottung bzw. astrologischen Dekanmelothesie: Lokalisierung der Dekankräfte auf die Teile des menschlichen Körpers. Auch bei Anleitungen der magischen Papyri soll z. B. das sog. »Bettelmännchen« des Hermes aus Bienenwachs geknetet und dessen einzelne Glieder beschriftet werden (astrologische Melothesie). Die Stücke, die zu dieser Motivgruppe zu zählen sind, sind in den Publikationen des 17. und 18. Jahrhunderts oftmals – mit Mißverständnissen – abgebildet worden, manche bis heute nur aus diesen Publikationen bekannt, andere – deutlich erkennbar – nach den alten Kupferstichen geschnitten. Bekannt ist auch diese Figur vor allem durch die Kupferstiche bei Chiflet. Die ursprüngliche Motivvorlage scheint Hermes mit einer durch lange Ohren drachenähnlichen Schlange gezeigt zu haben, auf deren Schwanz er steht und die er am Nacken packend auf Höhe seiner Brust von sich weg hält. Das Attribut in der Rechten ist bei den verschiedenen Exemplaren sowohl als Zweig, Kranz, Scheibe oder anch-ähnlich wiedergegeben, die Schlange mit dem Drachenkopf wird in Abwandlungen in der Waagerechten zur Grundlinie, in der Senkrechten zu einem Stab oder einer »ziegenköpfigen Säule«. Eine dritte Variante zitiert das Motiv schließlich auch als lineare Figur in Vorderansicht. Einige Zauberwörter kehren in groben Verschreibungen und Varianten auf allen Steinen wieder, insbesondere die Namen Phrê (»Sonne«), →Abrasax und Thoth.
Publikation
Sternberg, Auktion 33, 1997, Taf. 75, 1396.
Literatur
Zum Motiv und Thema: Betz/Preisendanz, PGM IV 2400ff.; Delatte–Derchain 291; A. Barb, JWCI 27, 1964, 5f.; Wortman, Texte 68ff.; H. Altenmüller, in: LÄ II (1977) 624ff. s.v. Gliedervergottung; Philipp 114 zu Nr. 187 /CBd-2140/; F. Graf, Gottesnähe und Schadenzauber. Die Magie in der griechisch-römischen Antike (1996) 130 Anm. 87 (Lit.); D.R. Jordan, Magica Graeca Parvula, ZPE 100, 1994, 321f.; A. Mastrocinque, Studi sulle gemme gnostiche, ZPE 122, 1998, 105ff., insb. 112ff. Abb. 2-7 (Lit.); Michel, Studie zu 29.1-29.3 Anm. 790ff. Taf. 62.63 (Lit.). – Zu Damnameneus: Bonner 100, 201; Martinez, Love Charm 104f.; C. Faraone – R. Kotansky, An Inscribed Gold Phylactery in Stamford, Conneticut, ZPE 75, 1988, 264; Brashear, Magical Papyri 3583f. s.v. Mnmaluni); (Lit.).
Vergleiche
Girasol und Amethyst Delatte–Derchain 292 Nr. 415. 416; Bergkristall Forbes 162-168, Taf. 37, 148; Amethyst Chiflet Taf. 7, 29 /CBd-2799/; Amethyst Southesk Taf. 13, N 59; Gelber Jaspis Philipp 114 Taf. 49, 187 /CBd-2140/; Glas, Karneol imitierend Skoluda 101, Sternberg, Auktion 23, Nov. 1989, 72f. Nr. 248; Chalcedon, gelblich Ridder 777ff. Taf. 29, 3469; Chalcedon, blau, in Anhängerfassung Vermeule 312, Michel, Studie Taf. 64, 2.3; Bergkristall Seper 12 Nr. 15 Taf. 1, 9; Glas-Frg., grün-bläulich, nachgeschliffen AGWien III 157 Taf. 93, 2192 /CBd-2435/; Michel, Studie 29.1-3 (Vgl.).
 
Last modified: 2017-03-30 13:20:21
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/2085

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