The CBd
Michel 2001 on CBd-1731
Michel 2001, 104-105, no. 117.

Slg. Skoluda MN036 (Michel 99)

3,59 x 3,39 x 0,39
Neuzeitlich

Bräunlich wolkiger Chalcedon, poliert, beiderseits kaum merklich konvex, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante nach vorn. Medaillon.

Vorderseite
Hochoval. Auf Grundlinie stehende Kompositfigur mit Löwenkopf, nacktem, menschlichen Oberkörper, aus den Schultern ragenden Schlangen, Vogelbeinen und Klauen (Hahn?) sowie einem Fischschwanz. Die Figur hat den linken Arm mit einem Zepter oder Schwert erhoben, der rechte gießt ausgestreckt Flüssigkeit aus einer kleinen Kanne. Im freien Feld oben links eine Heliosbüste im Profil nach rechts, rundum verteilt Mondsichel, Sterne und →Charakteres mit →Brillen. Unten eine Inschrift in zwei Reihen
APΘABAP
ΘAXOΛZ

Rückseite
Hochoval. Auf einer Grundlinie zwei schakalköpfige Figuren mit Zeptern und Schlangenstäben einander zugewandt. Die Schlangenstäbe sind mit Querlinien verbunden, so daß ein Rechteck gebildet wird, darin Buchstaben, außerhalb, zwischen den Figuren und Schlangenstäben →Vokale.
Links, von unten nach oben
HIOYW
Rechts, von oben nach unten
AEHIOY
Über den Figuren, im oberen Drittel des Bildfeldes ein Adler mit Kranz in den Klauen und Zweig im Schna
bel, zu dem beide Wesen aufblicken. Um den Adler Sterne, eine nach rechts geöffnete Mondsichel sowie →Charakteres. Dem oberen Rand folgend die Inschrift
APΘΨKΦΛZΛΘΨ
Die löwenköpfige, alle Sphären umfassende Kompositfigur knüpft an an die Vorstellung des löwenköpfigen Allgottes »Chronos-Aion« (Deus aeternus) an, wie er auch im Zusammenhang mit dem Mithraskult durch zahlreiche feuerspeiend konstruierte Statuen und Reliefs belegt ist – ein Agglomerat verschiedener Götter mit ägyptischen Ursprüngen sowie orphischen, mithraischen und wohl sogar zervanistischen Zügen: gürtelähnlich wird der menschliche Körper von einer Schlange umwunden (Element Erde und Zeit), vier Flügel am Rücken weisen auf das Element Luft, die vier Winde und Himmelsrichtungen, Attribute sind Schlüssel (Janus), Zepter (Monate, Jahre), Schmiedewerkzeuge (Element Feuer) und mitunter ein Krater (Element Wasser). Auch verglich man in diesem Zusammenhang Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit Wolf (Rückseite), Löwe (Vorderseite) und Hund (Rückseite). Weiterhin stellte man sich beispielsweise auch den ophitischen Ialdabaoth, das Schöpferprinzip der Welt, von dem die anderen sechs Archonten abstammten, »löwengesichtig« vor, die hundeköpfigen Figuren der Rückseite erinnern an tiergesichtige Archonten, so daß auch gnostische Inhalte zu vermuten sind.

Publikation
Michel, Studie 26.2.d Taf. 47, 1.

Literatur
Zum Motiv: Michel, Studie zu 26.2.d und 28.11 Anm. 476ff. (»Von Erlösung, Mysterien und Erkenntnis«); ferner hier 51 /CBd-1685/ (Lit.). – Zum löwenköpfigen »Deus aeternus«: L.A. Campbell, Mithraic Iconography and Ideology, EPRO 11 (1968) 348; H. Jackson, The Meaning and Function of the Leontocephaline in Roman Mithraism, Numen 32, 1985, 18ff.; W.M. Brashear, A Mithraic Catechism from Egypt, Tyche Suppl. 1 (1992) 64. – Zu Ialdabaoth: Bonner, Ophite Gnostics 43ff., 45 Anm. 8 und 9 (Quellen und Lit.); Jackson, Lion 16-24.; Kotansky-Spier 327f., 327f.; S. Davies, The Lion-Headed Yaldabaoth, Journal of Religious Hist. 11 (19801981) 495-500.

Vergleiche
Zum Motiv der Vorderseite: Grüner Jaspis Florenz, Mus. Arch., Michel, Studie Taf. Taf. 46, 1; ferner hier 51 /CBd-1685/. – Zu den Figuren mit hunde- bzw. schakalähnlichen Tierköpfen: Granat Philipp 100f. Taf. 40, 155 /CBd-2110/; Hämatit Delatte–Derchain 122 Nr. 161; hier 131 /CBd-1739/ ferner 134 /CBd-1742/.

Last modified: 2016-05-07 15:16:27
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/2156

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