The CBd
Zwierlein-Diehl, Köln on CBd-230
Taf. 13
Plasma, lauchgrün mit hellbraunen Schlieren und dunkelbraunen Flecken, durchscheinend. Form 1. In Ägypten erworben. Inv. G 5.
0,96 x 0,70 x 0,40
1. - Anfang 2. Jh. n. Chr.
Seite a: Gestreckter Chnubis, ohne Kreiswindungen. Sechs Strahlen gehen vom Hinterhaupt aus. Im aufgerissenen Maul des Löwenhauptes eine Scheibe, auf der die schmale Zunge liegt. Die Scheibe ist die Sonne, es handelt sich um eine "wortgetreue" Darstellung der Konstellation "sol in leone".
Seite b: Das Chnubiszeichen: drei S-Linien mit Querstrich, ringsum:
ΧΝΟΥΒIC
Publikation: Wortmann, Gemmen 67f. Nr.6. Erwähnt zu AGWien III Nr. 2227.
Kommentar:
Die Darstellung des Chnubis mit der Sonnenscheibe im Löwenmaul ist ungewöhnlich, jedoch nicht singulär. Sie wurde bisher nicht beschrieben, vermutlich, weil man die Sonnenscheibe für einen Fehlschnitt oder eine aus Ungeschick verdickte Zunge hielt212. Im vorliegenden Fall ist die Sonnenscheibe durch die zusätzliche Darstellung der schmalen Zunge gesichert. Wenn die Sonne im Zeichen des Löwen steht, beginnt der Nil zu steigen (s. o. 28). Die gestreckte Gestalt des Chnubis ist ebenfalls relativ selten. Nächstverwandt, auch in Material und Form, ist ein bikonvexes Plasma in Kassel, das auf der Rückseite ebenfalls das Chnubis-Zeichen hat213; dort ist es umgeben von der Inschrift "Χνουβις ναβις βιενυθ", die Vermutlich "Chnubis, durch Beschwörung gebunden" bedeutet214. Zwei weitere bikonvexe Plasma-Amulette in Paris und Cambridge zeigen den gleichen Chnubistypus auf der Vorderseite, ihre Rückseite enthält die mit dem Schutz der Matrix verbundene σοροορ-Formel215. Die Worte "να(α)βις βιε(ν)ν(ο)υθ" kommen mehrfach in Verbindung mit dem gestreckten Chnubis-Typus vor. Möglicherweise ist in der Streckung des Schlangenleibes die Wirkung der magischen Formel dargestellt216. Auf einem Plasma im British Museum wird die Formel durch Gebetsrufe fortgesetzt: "Χνουβις ναβις βιεννους ὕδωρ δίψῃ ἄρτος πείνῃ πῦρ ῥείγοι (sc. ῥίγει)", "...(du) Wasser für den Durst, Brot für den Hunger, Feuer für die Kälte"217.
Die grüne Steinfarbe und das Bild des Chnubis erweisen die Gemme und ihre Vergleichsstücke als klassische Magenamulette. Aus den angeführten Inschriften geht jedoch hervor, daß Chnubis-Amulette nicht ausschließlich diese spezielle Funktion hatten, sondern als Bilder des großen Sonnen- und Jahresgottes umfassenden Schutz boten.
Das Chnubis-Zeichen wurde von Drexler einleuchtend zurückgeführt auf ein ägyptisches Symbol des Chnum als Dekan, das aus einer aufrecht gestreckten Schlange besteht, die von drei horizontal übereinanderliegenden Schlangen gekreuzt wird218. Chnum (Chnubis) als Dekan des Krebses oder Löwen ist wiederum Bringer der Nilflut (s. o. 28). Chnum ist der Gott von Elephantine-Syene am ersten Katarakt, wo die Nilflut zuerst sichtbar wird.

212 Vgl. Delatte - Derchain Nr. 55, 73. Auch Wortmanns sehr knapper Τext erwähnt die Sonnenscheibe nicht. Die Beispiele lassen sich wahrscheinlich vermehren, doch reichen die Abbildungen für eine Beurιeilung dieses Details nicht immer aus.
213 Zazoff in: AGD III Kassel Nr. 166.
214 Vgl. Bonner 56f., 182, 199. AGWien III Nr. 2228.
215 Delatte - Derchain Nr. 81 (vermutlich ebenfalls mit Sonnenscheibe). M. Henig, The Lewis Collection of Engraved Gemstones in Corpus Christi College, Cambridge, BAR Suppl. Ser. I (1975) Nr. 255.
216 Vgl. Philipp Nr. 126. AGWien III zu Nr. 2228.
217 Bonner 182; ders. Ηesperia 20, 1951, 325 Nr. 20 Τaf. 96.
218 Drexler, in Roscher, ML II 1264 s. v. Knuphis. Zustimmend: Bonner 25; Delatte - Derchain 56. Die Herleitung von dem semitischen Buchstaben Nûn durch A. A. Barb, Gnomon 41, 1969, 302, findet in der gestreckten S-Form der Zeichen keine Stütze, überdies ist die angenommene Bedeutung "Gott" reine Vermutung. Vgl. Zazoff in AGD III Kassel Nr. 162. Philipp Nr. 126.
 
Last modified: 2013-12-04 12:41:17
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