The CBd
Zwierlein-Diehl, Köln on CBd-1947
Taf. 7
Sehr dunkler Heliotrop, dunkelgrün mit rotbraunen Adern. Form 8. Ein feiner Sprung quer durch den Stein. Kante der Seite b links oben bestoßen. In schlichter moderner Goldfassung. Aus Slg. F. S. Matouk.
Mit Fassung: 2,19 x 1,75 x 0,33
a: 1,90 x 1,48; b: 1,78 x 1,53 (jeweils die sichtbare, nicht von der Fassung bedeckte Fläche); Βild b: 1,72 x 1,26
2. Jh. n. Chr.
Seite a: Der hahnenköpfige, schlangenbeinige Iao im Panzer, mit Peitsche und Schild, über einem Skarabäus. Auf dem Schild:
IΛΑAAZW, darin steckt Iαω und ζῶ (Λ = A, der Querstrich fehlt aus Flüchtigkeit)
Ringsum: über dem Kopf des Gottes rechtsläufig: I A W. Links davon beginnend, linksläufig, Buchstabenfüße nach unten:
ΑΚPΛΜΑΧΑΜΑPΕΙΑΒΛΑΝΑΘΑΝΑΛΒΜΙΧΑΗΛ
Ακραμαχαρει αβλαvαθαvαλβ(α) Μιχαηλ
Seite b: Harpokrates sitzt auf der Lotosblüte, führt die Rechte zum Mund, hält in der Linken die Geißel. Er trägt die als Hochoval skizzierte Doppelkrone. Ringsum Inschrift, linksläufig, Buchstabenfüße nach unten, über dem Kopf des Gottes beginnend:
ΑΡΚΑΘΒΑΟIΑWCΙCΕΝΓΕΝΒΑPΦΑΡΑΝΓΗ
αρκαθβαο Ιαω σισεvγεvβαρφαραvγη
Αm Rand, Buchstabenfüße nach Seite b hin: über dem Kopf des Harpokrates beginnend, rechtsläufig:
AΕΕΗΗΗΙIIΙΟΟΟΟΟΥΥΥΥΥΥWWWWWWW
Die sieben Vokale in der Weise, daß jeder einmal mehr geschrieben ist als der vorhergehende, von einem Alpha zu sieben Omega aufsteigend.
Κommentar:
Die Bilder beider Seiten stellen den aufgehenden Sonnengott dar: Auf Seite a in seiner magischen Gestalt als Iao, über dem Skarabäus, der Gestalt der Sonne am Morgen (s.o. 35); auf Seite b in seiner ägyptischen Gestalt als Harpokrates auf der Lotosblüte. Die Randinschrift ist ein Hymnos an den Gott. Die gleiche Typenkombination und gleichartige Anbringung der Inschriften findet sich auf einem roten Jaspis in St.Petersburg, der wohl aus derselben Werkstatt kommt190.
Seite a: Die Umschrift ruft Iao mit zwei weiteren magischen Namen an, vgl. PGM XIΙ 183f.: βασιλεὺς τῶv οὐραvίων Θεῶν ἈβλαvαΘαvαλβα, ὁ τὸ δίκαιοv ἔχων Ἀκραμμαχαμαρεί "Du König der himmlischen Götter, Ablanathanalba, Träger der Gerechtigkeit, Akrammachamarei". Nach PGM IIΙ 508 ist Akrammachamerei der Name des Sonnengottes in der dritten Stunde191. Am Schluß steht die Anrufung des Erzengels Michael, der mit den anderen Erzengeln zu den mächtigen Helfern des großen Gottes gehört. Bei der Weihe des Amuletts mit dem "großen Namen" stellt er den Beter vor (PGM XIII 927)192.
Seite b: Zum Bild s. o. 17f.193. Harpokrates wird mit magischen Namen angerufen: αρκαθβαο Ιαω: αρκαθβαο scheint nicht belegt; da die Inschriften ungewöhnlich sorgfältig geschrieben sind und in den bekannten Formeln keine Fehler enthalten, ist keine Verschreibung anzunehmen; wahrscheinlich eine kryptische Schreibung von 'Αρβαθ Ιαω, "Vier-Ιao", von hebr. "arba" = vier, was sich auf die vier Buchstaben des Tetragrammaton bezieht194. Ιαω: s. o. 30f. σισενγεvβαρφαραvγη ist Variante von σεσεvγεv βαρφαραvγης, Namen des Sonnengottes, eine häufig vorkommende Formel195.
Rand: Es handelt sich um ein aus Platzgründen fortlaufend geschriebenes gleichseitiges Vokaldreieck. In dem unten angeführten Berliner Papyrus wird es "κλίμα" genannt. Hiermit mag die einfache Wortbedeutung "Abhang, Schräge" gemeint sein; es kann jedoch eine vielleicht unverstandene Beziehung zu den sieben "κλίματα" der astrologischen Geographie Ζugrundeliegen, d.h. zu sieben Breitenzonen, die unter dem Einfluß je eines Planeten stehen196.
Α
Ε Ε
Η Η Η
Ι Ι Ι Ι
O O O O O
V V V V V V
W W W W W W W
Die Vokale sind Symbole der sieben Planeten, geben die von ihnen hervorgebrachte Sphärenharmonie wieder. Sie wurden im griechisch-ägyptischen Kult als Hymnos gesungen. Sie bedeuten zugleich die siebenbuchstabigen Namen des großen Gottes (Abraxas, Chnubis, Sarapis): "τὸ μέγα ὄvομα ταῖς ἐπτὰ φωναῖς" (PGM XIII 39); νgl. PGΜ XIII 207 - 210: "Herr ich ahme dich nach mit den 7 Vokalen; komm herein und erhöre mich: α εε ιιι ηηηη οοοοο υυυυυυ ωωωωωωω..." PGM I 10ff. wird die Anweisung gegeben, ein Papierblättchen mit zwei Vokaldreiecken in auf- und absteigender Form zu beschreiben, nach anderen Zauberhandlungen die Vokale zu sprechen (25 - 27): "..sprich folgendes Gebet: 'α εε ιιι ηηηη οοοοο υυυυυυ ωωωωωωω komm zu mir, guter Landmann, Agathos Daimon, Ηarponknuphi." Bei der Weihe des schon erwähnten Amuletts mit dem "großen Namen" wird der in den Vokalen verborgene, unaussprechliche Name des Gottes in dieser Weise, d. h. mit steigender Vokalzahl, von bestimmten Gebärden begleitet, zu Erde, Luft und Himmel gewendet sowie nach den vier Himmelsrichtungen hin gesprochen. Der Anfangsvokal wird dabei jeweils geändert. Μit A beginnt die erste, nach Osten, d.h. Sonnenaufgang gerichtete Anrufung197. Auch der Vokal-Hymnos auf dem Rand des Amuletts richtet sich alsο an den auf beiden Seiten dargestellten aufgehenden Sonnengott. Beim Weiheakt des goldenen Plättchens, PGM XIII 888ff., auf das die sieben Vokale geschrieben sind, soll das Plättchen abgeleckt, die Vokale noch einmal in aufsteigender Reihe und Zahl von Α bis Ω gesprochen werden. Εs ist anzunehmen, daß der Heliotrop einst in ähnlicher Weise geweiht worden ist.
R. Merkelbach verweist auf vergleichbare Anweisungen: PGM II 2 u. 5 "ακρακαναρβα... λέγε ὅλον οὕτως τὸ ὄνομα πτερυγοειδῶς", "sprich den ganzen Namen flügelförmig"; "αλλαλαλα ... λέγε τοῦτο τὸ öνομα καὶ αὐτὸ ἕν ὑφαιρῶν πτερυγοειδῶς", "sprich diesen Namen, auch ihn, je einen (Buchstaben) wegnehmend, flügelförmig."

190 O.Υa.Neverov, Gemmes, bagues et amulettes magiques du sud de l'URSS. Ηommages à Marten J.Vermaseren II (ΕΡRΟ 68, 1978) 835 Nr. 4 Taf. 157.
191 Vgl. Bonner 201.
192 Abrasax I 199. Εrzengelnamen auf magischen Amuletten: Bonner 170, 214. AGWien Nr. 2217, 2236; hier Nr. 13b.
193 Das Motiv auf etwa gleichzeitigen Münzen: Geissen II Nr. 1305 u. 1534 (Antoninus Pius, Jahr 2 u.9, 138/9 u. 145/6 n. Chr.).
194 R. Merkelbach, mit Hinweis auf: W. Fauth, Αrbath Iao, in: Oriens Christianus 67, 1983, 66ff. Zu "Arba" s. auch Barb, Abraxas-Studien 68ff. Zum Τetragrammaton: hier Nr. 8.
195 PGM Index 231, 270. Bonner 201f. AGWien ΙΙΙ Nr. 2210.
196 PGM I 12, vgl. Index 286. Ε. Honigmann, Die sieben Klimata und die πόλεις ἐπίσημοι (1929) 8, 42f.
197 PGM XIII 823 - 866; Abrasax I 188ff., 214ff., zu den Vokalen auch 147ff. Bonner 187. AGWien III zu Νr. 2222.
 
Last modified: 2013-06-17 12:46:14
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