The CBd
Philipp, Mira et Magica on CBd-2007
Heliosbüste mit Isis und Harpokrates
11933. — Lapislazuli. Form 6b. Links unten Rand ausgebrochen, modern mit Gold repariert. Oberer Rand auch beschädigt. Moderne Goldfassung.
1894 von Antiquarium übernommen.
1,55 x 1,25 x 0,3 (si.O.)
1. Jh. n. Chr. (und 18./19. Jh.?)
Vs.: Die in einer S-Kurve geschwungene Gestalt des Harpokrates, unbekleidet, mit einem Mantel über dem linken Arm, der auch das Füllhorn trägt, steht auf kurzer Grundlinie in der linken oberen Bildecke. Der rechte Index ist zum Mund geführt, der Kopf und das Gesicht sind aber nicht mehr genau zu erkennen. — In der Mitte befindet sich eine relativ große Büste des Helios, der nach rechts zu Isis blickt, in einer deutlichen Dreiviertelansicht. Ei trägt eine neunstrahlige Krone über dem in der Mitte in einer Anastole geteilten langlockigen Haar. Das Gesicht hat eine niedrige Stirn, große Wangenflächen und pathetisch tiefliegende Augen. Es erinnert im ganzen an Porträts Alexanders d. Gr. Der Büstenausschnitt zeigt zwar den Ansatz der unbekleideten Schultern, ist aber relativ klein. — Rechts daneben steht Isis, ebenfalls als kleine Figur auf kurzer Grundlinie, Sistrum in der Rechten, Situla in de, Linken. Die Figur zeigt eine leichte Dreiviertelwendung mit zur Seite gesetztem linken Spielbein. Die sanft geschwungene Gestalt ist mit einem hochgegürteten, unten breit fallenden Chiton und einem schweren, quer um die Beine geschlungenen Mantel bekleidet. An der Stelle des Gesichtes ist der Stein abgeschliffen. — Es ist hier zwar eindeutig Helios und nicht Helios-Sarapis dargestellt, aber da die Verbindung zwischen Helios und Sarapis damals geläufig war, ist auch die Gruppierung zusammen mit Isis und Harpokrates verständlich (vgl. ähnlich Harpokrates zwischen den Büsten von Isis und Sarapis Kat. Nr. 77 /CBd-2053/). — Sehr sorgfältig modellierte Arbeit, besonders der Kopf des Helios. Feine Schnitte. Im unteren Bildfeld Charakteres (späterer Zusatz?).
Rs.: Zwei zu einem Kranz gebogene Lorbeerzweige mit sorgfältig gesteckten Schlaufen der Bandenden. In der Mitte des Kranzes ein Palmzweig. Palmzweig und Lorbeerkranz gehören in den Bereich der sportlichen Siege, der Palmzweig gilt aber auch als Symbol der Wiederkehr und des ewigen Lebens (vgl. hier Kat. Nr. 67 /CBd-2043/. 82 /CBd-2017/). Der Kranz wirkt wie eine akademische Arbeit des 19. Jhs. Vielleicht handelt es sich um einen unfertigen Stein, der erst im 18. oder 19. Jh. auf Vorder- und Rückseite ergänzt und anschließend erst repariert und gefaßt wurde.
Publ.: Ausf. Verz. S. 380.
Lit.: Registerunterteilungen kommen bei antiken Gemmen gelegentlich vor: z. B. AGWien II Nr. 1187 (Darstellung aus dem Kult der sog. Donaureiter; dort weit. Lit.). — Zur Heliosbüste: Walters 133, Nr. 1167. 1168 (dort auch Hinweise auf Ähnlichkeiten mit Alexander d. Gr.). AGDS IV Hannover Nr. 1588 und die dort genannten Beispiele. Vespasianische Münze: Hirmer-Kent u. a. Nr. 226 (schwerere Formen). — Zur Komposition: Maaskant-Kleibrink Nr. 883: Heliosbüste über Mondsichel zwischen zwei Darstellungen der Fortuna/Tyche. Darunter ein Greif. Vgl. auch AGWien II Nr. 1214. — Zum Kranz: Fossing Nr. 1600. Maddoli, Kyrene Nr. 954 (der Palmzweig dort als “penna” bezeichnet). Henig, Lewis Coll. Nr. 238. 318 (Neo-Classical).
 
Last modified: 2015-07-31 10:52:03
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