The CBd
Michel, BM on CBd-525
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 82, no. 125.

Heliotrop, poliert. Hochoval, beiderseits flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante nach vorn. Absplisse ringsum am Rand, oben und rechts ins Bildfeld der Vs. reichend.

2,6 x 2,1 x 0,3

3. Jh.n.Chr.
Vermacht von Rev. W. J. Rose, M. A. (1916).
Brit. Mus. Inv. G 558, EA 54278.

Vs.: Harpokrates im Kreis der Tiere. Ιn der mit einigen Quer- und Senkrechtlinien gemusterten Barke erhebt sich ein Lotus mit zwei länglich ovalen Knospen, Fruchtknoten und gestrichelter Blüte, deren großer Rand ebenso hoch ist wie der Blütenboden. Auf dem Kelch sitzt Harpokrates im Profil nach links, den Oberkörper halb in Vorderansicht gedreht. Das sichtbare linke Bein ist stark angewinkelt, der Fuß mit einer winzigen Kerbe angedeutet. Der Knabe ist unbekleidet, der Körper ohne Details. Den rechten Arm angewinkelt erhoben, führt Harpokrates die Hand mit ausgearbeitetem Daumen zum Mund, der linke Arm ist mit einem Flagellum angewinkelt an der Seite gehalten. Auge, Nase, Lippen und Kinn sind im Profil gezeigt, deutlich auch die große Jugendlocke, die im Nacken nach außen schwingt. Auf dem Kopf des Horuskindes die Sonnenscheibe, rechts daneben der Halbmond, links ein achtstrahliger Stern. Die Barke mit dem Sonnengott ist von Tieren umgeben: oben drei Skarabäen nebeneinander, rechts drei Ziegenböcke untereinander, darunter drei Uräusschlangen, links schräg übereinander drei Krokodile und darüber schließlich drei Falken, die beiden oberen mit jeweils verschiedenen Kronen (Ober- und Unterägypten).

Rs.: Inschrift in sieben Reihen:
AAA
ΕΕΕ
ΗΗΗ
III
OOO
ΥΥΥ
WWW
->Vokalkombinationen
Die dreimalige Wiederholung der sieben ->Vokale des griechischen Alphabets entspricht dem beschwörenden Charakter von Zauberformeln.

Rand: Umlaufende, stark zerstörte Inschrift:
..ΧA...Χ... CΧΗΡΦIXΡΟΦΝΡWΦWXWΒWX
->Chabrach-Logos

Auf zahlreichen Hämatitamuletten, Heliotropen und grünen Jaspisgemmen ist - wie hier - die meist nach links gerichtete Barke mit Harpokrates auf dem Lotus in einen Tierkreis gesetzt: links unten drei Krokodile, links Mitte drei Falken, oben drei Skarabäen, rechts in der Mitte drei ziegenbockähnliche Tiere oder Stiere sowie rechts unten drei Schlangen. Daß jeweils drei Tiere dargestellt sind, entspricht dem ägyptischen Plural, nach dem Prinzip pars pro toto ist so die ganze Tiergattung gemeint. Ιn Krokodilen und Schlangen hat man in der Forschung sodann die „bösen”, vom Sonnengott besiegten Tiere gesehen, in Falken, Skarabäen und Widdern dagegen die „guten”, den Sonnengott Harpokrates adorierenden. Mit den Ziegenböcken ist wohl der Widder von Mendes gemeint, der ähnlich wie der Apisstier als Inkarnation des Osiris angesehen wurde und auch sonst in griechischen Texten als Ziegenbock aufgefaßt ist. Auf den Gemmen kann er auch durch einen Stier ausgetauscht sein (126 /CBd-526/). Da zwar der Ablauf der Tiertriaden stets gleich bleibt, der Tierkreis auf Vergleichsbeispielen jedoch auch versetzt sein kann, d.h. anstelle der Krokodile die Böcke nach unten gesetzt werden, andererseits auch ganze Biergattungen fehlen sowie weitere wie etwa Ibisse (133 /CBd-533/) oder Löwen hinzugefügt sein können, wäre wohl eher daran zu denken, daß es sich um Erscheinungsformen des Sonnengottes handelt, die er in den verschiedenen Stunden seines Tagesverlaufes annimmt, und somit eine Interpretation im Sinne des Dodekaoros-Systems in Erwägung zu ziehen ist. Auch könnten die Skarabäen oben den Morgen und Osten symbolisieren, die Falken links den Mittag, die Luftsphäre und den Süden, die Böcke rechts dagegen den Abend, die Landsphäre und den Norden, die Schlangen und Krokodile schließlich die Nacht, das feuchte Element (Chaos, Unterwelt) und den Westen.

Eine klare und sorgfältige Arbeit, die auf entbehrliche Details und Linien verzichtet. Die Figuren sind flächig, nur für Detailangabe werden minimale, winzige Linien und Kerben benutzt (Käfer, Hände und Füße des Kindes).

Lit.: Zum Motiv: H. ΚEES, Der Götterglaube im alten Ägypten 2(1956) 80f.; WΟRTMANN, NILFLUT 73ff. Anm.64.69.70; H. BEIΝLICH, in: LÄ VI (1986) 11ff. s.v. Stern. - Zu Dodekaoros: Η. BRUGSCH, Die Kapitel der Verwandlungen, ΖÄS 5 (1867) 21-26; BETΖ/PREISENDANΖ, PGM III 500, IV 1596ff.; GUNDEL, WELTBILD 3ff; Ο. ΝEUGEBAUER - R.A. PARKER, Egyptian Astronomical Texts III (1969) 103 Νr. 80. - Zu den Tieren: HOPFNER, TIERKULT 89ff. (Widder, Ziegenbock), 107ff. (Falken), 158ff. (Skarabäus), 125ff. (Krokodil), 136ff. (Schlange).

Vgl.: Zu Motiv und ->Chabrach-Logos: Hämatite, roter und brauner Jaspis BONNER 260 Taf. 3, 46 /CBd-1303/ und 287 Taf. 10, 204 /CBd-1397/206 /CBd-1065/; Schwarzes Jaspis-Frgt. FESTUGIÈRE, KOFLER COLL. 291 Taf. 1, 5; Hämatit STERNBERG, AUKTION 15, 1985, 104 Taf. 44, 877; Hämatit DELATTE-DERCHΑIN 118 Νr. 151; Rotbrauner Jaspis PΗILIPP, BERLIN 77f. Taf. 24, 103 /CBd-2077/; hier 127 /CBd-527/. - Zu Motiv und ->Vokale: Hämatit, quadratisch SOSSIDI 6 (unpubl.); Schwarzer Jaspis BARRY (1906) 246f. Taf. 1.2, 5; hier 129 /CBd-529/. - Ζum Motiv: Ηämatite DELATTE-DERCHAIN 116ff. Νr. 147-150.152-154; Hämatite, Magnetit, grüner Jaspis, Bronze BOΝNER 287f. Taf. 10, 203 /CBd-1396/.207 /CBd-1066/210 /CBd-1401/, 297 /CBd-1476/ Taf. 13, 265 /CBd-1442/; Grüner Jaspis SMITH-HUTTΟN, COOK COLL. 53 Taf. 9, 238; Grüner Jaspis HENIG, LEWIS COLL. 59 Taf. 14, 245 /CBd-147/; Heliotrop HENIG, CAΜΒRIDGE 224. Νr. 497 /CBd-99/; Hämatit PHILIPP, BERLIN 78 Taf. 25, 104 /CBd-2078/; Gelb-rot gesprenkelter Jaspis SOUTHΕSK COLL. 175 Taf. 15, Ν 54; ferner Bronze GETTY MUSEUM Inv. 85.AΝ.370.31 /CBd-2377/ (unpubl.); Heliotrop AGHAGUE 357 Taf. 173, 1125; Hämatit C. DAUPHIN, A Graeco-Egyptian Magical Amυlet from Μazzuvah, Αtiquot 22, 1993, 145 Abb. 1; Grüner Jaspis SKOLUDA 61 /CBd-1609/, STERNBERG, AUKTION 19, 1987, 48 Taf. 13, 317; Hämatit STERNBERG, AUKTION 23, 1989, 70 Νr. 234; Hämatit SCHWARTZ (1979) 171 Taf. 36, 26 /CBd-1773/; Serpentin HENIG, CAMBRIDGΕ 225 Νr. 498 /CBd-102/; Glas-Frgt., blau PETRIE, AMULETS 30 Taf. 21, 135n; hier 126 /CBd-526/, 128 /CBd-528/130 /CBd-530/. - Zum Krokodil als Symbol für das feuchte Element: 122 /CBd-522/(Vgl.). - Zum versetzten oder abgeänderten Tierkreis: 133 /CBd-533/.
Last modified: 2015-08-31 16:24:10
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/255

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