The CBd
Michel, BM on CBd-663
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 171, no. 277.

Heliotrop, poliert. Hochoval, beiderseits flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante nach vorn. Oberer Rand abgebrochen und geklebt, waagerechter Riß auf der Vs. rechts, senkrechter Riß links. Medaillon.

3,7 x 2,8 x 0,4
3. Jh.n.Chr.
Gekauft von M. Gejon (1925).
Brit. Mus. Inv. G 568, EA 56526.

Vs.: Innerhalb eines gerippt gemusterten Οuroboros Sarapis auf einem Thron im Profil nach links. Der menschenköpfige Οuroboros mit Krone, Diskus und Hörnern ist nicht geschlossen, sondern schlängelt sich s-förmig nach innen auf den thronenden Sarapis über einem Krokodil zu. Dieser ist in ein langes Gewand gehüllt, Faltenwurf durch Strichelung angedeutet. Im angewinkelt erhobenen Arm ein Zepter, die Rechte ist dagegen mit geöffneter Hand leicht gebeugt nach unten über einen Skorpion gehalten. Der bärtige Kopf ist nur angedeutet, das Profil nicht ausgeführt, über dem Kopf ein Skarabäus mit geöffneten Flügeln in Aufsicht nach oben. Unter Sarapis und dem Krokodil eine auf dem Rücken liegende Mumie mit großer Atef-Krone, von einem im Profil nach links schreitenden Löwen getragen. Im freien Feld rechts neben Sarapis eine kleine nach oben geoffnete Mondsichel mit einem Stern darüber, darunter Inschrift in drei Reihen:
ΑΕHΙ
ΟΥ
W
→Vokalreihe

Außerhalb des Οuroboros am Rand umlaufend eine Inschrift, oben beginnend:
IΑΕWΒΑΦPΕΝΕMΟΥΝΟΘlΛΑPΙΚPlΦΙΑΕΥ
ΕΑΙΦlPΚΙPAΛlΘΟΝΥΟMΕΝΕPΦAΒ
→Iaeô-Palindrom
Für die fehlenden vier Endbuchstaben WΕΑl links oben reichte der vorhandene Platz nicht aus.

Rs.: Harpokrates auf dem Rand des Lotuskelches im Profil nach links sitzend. Der Lotus hat zwei nach außen geneigte Knospen sowie einen schüsselähnlich geformten, mit senkrechter Strichelung gemusterten Blütenkelch, der mit einer Querkerbe als Κelchrand abschließt. Darauf mit angezogenen Beinen Harpokrates, unbekleidet und ohne Angabe von Geschlechtsteilen oder Muskulatur. Durch die Beuge des angewinkelten linken Armes ist das Flagellum geschoben, die rechte Hand ist erhoben zum Mund geführt. Der Kopf ist grob mit Profil aus Kinn und Νase erkennbar, die Jugendlocke knickt im Nacken ab, auf dem Kopf der Sonnendiskus als länglich ovale Kerbe. Im freien Feld links ein achtstrahliger Stern, rechts eine nach links geöffnete Mondsichel. Am Rand umlaufend →Charakteres sowie einige griechische Buchstaben, rechts über dem Flagellum mit einem weiteren siebenstrahligen Stern beginnend und entzifferbar:
WΥHXWΥZΕΛ

Das Stück fügt sich in eine Gruppe von Gemmen aus vorwiegend dunklem Jaspis, Ηeliotrop oder Hämatit, die in Bild und Inschrift nur geringfügig variieren: innerhalb eines Οuroboros - mitunter wie hier auch mit menschlichem, von Strahlen und Sonnendiskus gekrönten Kopf - sind mehrere Motive im Profil nach links übereinandergestaffelt: der die Mumie tragende Löwe, darüber ein Krokodil, auf oder über dem wiederum Sarapis thront, über dem Modius auf dem Kopf des Gottes schließlich meist ein Skarabäus mit geöffneten Flügeln. Die rechte Hand streckt Sarapis hier nicht wie sonst besänftigend über Kerberos, sondern über einen Skorpion aus, in seiner linken hält er ein Zepter, auf dem bisweilen ein Vogel sitzt, mitunter deutlich als Ibis zu erkennen. Zum Bildtypus gehören weiterhin Mondsichel und Stern sowie das kleine Schwindedreieck aus den sieben Vokalen. Außerhalb des Οuroboros Inschriften, wie hier das aus solaren Zusammenhängen bekannte →Iaeô-Palindrom oder Kombinationen mit den sieben →Vokalen. Dieses beschriebene Motiv des thronenden Sarapis korrespondiert mit einer Zauberanweisung der magischen Papyri, die in Zusammenhang mit der Herstellung eines Hermesringes und Anrufungen an Thoth steht: der thronende Sarapis soll mit einem Zepter, auf dessen Abschluß ein Ibis sitzt, in einen Jaspis graviert werden (BETZ/PREISENDANZ, PGM V 446ff.). Da dieser Vogel als Erscheinungsform des Thoth gilt, ist Sarapis - im Zauber auch Thoth genannt - durch dieses „Ibiszepter” auf den Gemmenbildern mit Thoth identifiziert. Εbenso wird Sarapis auf magischen Amuletten auch mit dem typischen Attribut des Hermes-Thoth, dem Κerykeion abgebildet. Während das Thronen auf dem Krokodil und die Geste des Skorpion-Besänftigens einerseits an Zeus bzw. Hades erinnert und inhaltlich die Macht des Gottes über das durch diese Tiere symbolisierte Böse artikuliert, wird Sarapis andererseits auch an Κronos angeglichen, da das Krokodil sowie der das Motiv umschließende und an Sarapis-Agathodaimon erinnernde menschenköpfige Οuroboros als Ewigkeitssymbol aufgefaßt werden kann. Der Agathodaimon wiederum wurde u.a. auch mit dem Gott Schai, dem personifizierten Schicksal assoziiert, so daß zudem ein Aspekt von Sarapis als Schicksalsmacht enthalten sein dürfte. Solare Aspekte manifestieren sich schließlich in den Inschriften und dem Skarabäus über Sarapis Kopf - Zeichen des sich ewig regenerierenden Sonnengottes. Mondsichel, Stern und Vokale weisen auf die Herrschaft über den Kosmos hin, so daß das Gemmenbild und die Inschriften einen Pantokrator repräsentieren, der über die Zeit, den Tod und das Leben herrscht. Auch durch die Gegenüberstellung zu Harpokrates wird deutlich, daß das Amulett den ständigen Kreislauf der Dinge und somit die Ewigkeit und den Regenerationsgedanken anspricht.

Mit Kerben und Linien entworfen, die Rs. fällt ab, Details fehlen, Binnenzeichnung ist kaum eingesetzt. Die Raumnutzung ist gut, die Proportionen stimmig, die Haltungen und Bewegungen der Figuren teilweise verschnitten (Ηarpokrates, Bein und rechter Arm), eckig und steif. Durch gleichmäßige Politur und die Maserung des Steines wirkt das Bild verdunkelt.

Publ.: BONNER 236; BOΝNΕR, BRITMUS 321 Taf. 96, 5.

Lit.: Zu Motiv und Thema: BONNER 54, 58, 162, 235ff; SIJPESTEIJN (1970) 176f. zu Abb. 1; WORTMANN, NILFLUT 741, 82, 108; L. CASTIGLIONΕ, Νouvelles données archéologiques concernant la genèse du culte de Sarapis, in: Hommages à Maarten J. Vermaseren (1978) 208ff.; Β.P. COPENHAVER, Ηermetica. The Greek Corpus Ηermeticum and the Latin Asclepius in a new Εnglish translation, with notes and introduction (1992) 164f.; 25 /CBd-404/(Lit.), 30 /CBd-409/(Lit.). - Zur Verbindung des Sarapis mit dem Kult des Hermanubis: WORTMANN, ΝILFLUT 82; J.-CL. GRΕNΙER, Anubis Alexandrin et romain, ΕPRΟ 57 (1977) 23; KÁKOSY, RELIGION 2953f. - Zu Sarapis und „Εwigkeitsbegriff”: L. KÁKOSY, Das Krokodil als Symbol der Ewigkeit und der Zeit, MDIK 20, 1965, 116ff.; KÁKOSY, RELIGION 2961. - Zu Sarapis-Αgathodaimon: 313 /CBd-699/(Lit.). - Zu Sarapis als Schicksalsmacht: J. QUAEGEΒEUR, Le dieu égyptien Shai dans la religion et l'onomastique (1975) 170ff., 263f. - Zu Sarapis/Thoth: PRΕISENDANZ, PGM V 21; WORTMANN, ΝILFLUT 108. - Zum Krokodil: 18 /CBd-397/(Lit.), 117 /CBd-517/(Lit.). - Zum Skorpion: 342 /CBd-719/ (Lit.). - Zum Löwen mit der Mumie: BONNER 237; WORTMANN, ΝILFLUT 82; U. RÖSSLER-KÖHLER, in: LÄ IΠ (1980) 1080ff. s.v. Löwe; 40 /CBd-419/(Lit.). - Zum Kerykeion: 52 /CBd-431/(Lit.).

Vgl.: Ζur Motivkombination: Heliotrop und Hämatit-Frgt. BONNER 313 Taf. 19, 354 /CBd-1521/.355 /CBd-1079/; Hämatit SIJPESTEIJN (1970) 175 Abb. 1; Hämatit, als Ring gefaßt, SOSSIDI 2 (unpubl.); hier 278 /CBd-664/. ferner thronender Zeus/Harpokrates: Opal ZONTSCHEV (1967) 296ff. Abb. 1.2; 1 Hämatit AGWIEN III 154 Taf. 90. 2186 /CBd-2429/. - Ζum Motiv der Vs.: Grüne Jaspisse BONNER 237, 314 Taf. 19, 356 /CBd-1130/.357 /CBd-1522/; Schwarzer Jaspis AGKÖLN 249f. Taf. 130, 448. - Zum thronenden Sarapis/Zeus: 30 /CBd-409/(Vgl.), 31 /CBd-410/(Vgl.). - Zu Sarapis/ Τhoth-Hermes bzw. Sarapis mit Kerykeion: Brauner Jaspis und Heliotrop DELATTE-DERCHAIN 81 Νr. 100, 159 Νr. 206; Grüner Jaspis ZAZOFF HAΝDBUCH 359 Anm.66 Taf. 114, 7; Brauner Jaspis, konischer Siegelzylinder BRITMuS Inv. M&LA 1993,26,6 (unpubl.); Bergkristall NEVEROV (1978) 841 T. 171, 22. -Ζum menschenköpfigen Οuroboros/Agathodaimon: Hämatit-Frgt., zurechtgeschliffen und gefaßt AGWIEN III 170 Taf. 103, 2229 /CBd-2473/; hier 313 /CBd-699/(Vgl.). - Zur Mumie auf dem Löwen: 40 /CBd-419/(Vgl.). - Ζum Motiv der Rs.: 104 /CBd-504/(Vgl.)116 /CBd-516/, 118 /CBd-518/.

 

Last modified: 2015-10-05 23:41:16
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