The CBd
Michel, BM on CBd-673
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 179, no. 287.

Blaß-bläulicher Chalcedon, unrein, poliert. Hochoval, beiderseits flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante nach vorn. Mehrfach Absplisse an der Kante, Mulden ins Bildfeld der Vs. reichend, oben rechts ein Stück abgebrochen. Medaillon.

2,8 x 2,05 x 0,5
3. Jh.n.Chr.
Herkunft unbekannt.
Brit. Mus. Inv. G 65, EA 56065.

Vs.: Im Zentrum der Darstellung ein Tropaion, das einen Löwen sowie eine mit dem Gesicht nach unten liegende Figur zu durchbohren scheint. Links davon senkrecht, die Inschrift:
ΕΜΙ
rechts davon die Inschrift:
IAW
ΕΙΜΙ IAW, „Ich bin →Iaô”

Links unten, neben einem ursprünglich sechsstrahligen Stern beginnend, die umlaufende Inschrift:
ΝAΕAΜΕΝΕIAΕIΛΕΝAΕΗIΑΕlC

Rs.: Hahnenköpfiger Anguipedes in Vorderansicht, Kopf im Profil nach rechts. Der Oberkörper scheint gepanzert, der Unterleib ist mit einem Lederschurz bedeckt. Der rechte Arm hält ausgestreckt erhoben die Peitsche, deren Schnur nach hinten schwingt. Der linke Arm ist - angewinkelt eng am Körper gehalten - im Inneren des Rundschilds mit Porpax sichtbar. Die glatten Schlangenbeine winden sich leicht asymmetrisch w-förmig nach außen und enden in Köpfe mit geöffneten Mäulern. Unter der Figur ein grob geschnittenes Gorgoneion mit zwei Flügeln an den Schläfen. Augenbrauen, Nase, Mund und Kinn des breiten Gesichts sind nur mit groben Querkerben angedeutet. Die beiden Schlangen, die üblicherweise hornartig auf dem Medusakopf in die Hohe ragen, scheinen durch die Schlangenbeine des Hahnenköpfigen ersetzt und die beiden Figuren dadurch verknüpft zu sein. Im freien Feld verteilt vier sechsstrahlige Sterne, von denen nur noch zwei klar erkennbar sind. Links neben der Figur senkrecht:
IΓI
Umlaufend, links unten beginnend die Inschrift:
ΝIY ΕΛIYIΝΥCI ΥINI ΥCΝ

Beide Seiten entsprechen sich in ihrer Aussage. Das Tropaion über dem Löwen und der am Boden liegenden Figur ist - wie auch die Inschrift ΕΙMΙ IAW impliziert - mit dem Sonnengott gleichgesetzt, der auf der Rs. in Gestalt des hahnenköpfigen Αnguipedes als Erlöser sowie Herrscher über den Tod und das Chthonische (Gorgoneion) erscheint.

Beide Seiten sind vorherrschend mit breiten Kerben grob geschnitten und mit Sternen und Buchstaben übersät. Der Anguipedes ist ausholend und in der Hüfte nach vorn drängend dargestellt, die Bewegung geht jedoch angesichts der Fülle an Accessoires unter.

Publ.: BONNER 245 Anm.352; WORTMANN, GEMMEN 74 Νr. 13 (erw.); ΗAMBURGER, CAESAREA 17 zu Νr. 118; GOODENOUGH II 258 Anm.352, III 1113.

Lit.: Zum Thema: 264 /CBd-662/(Lit.), 279 /CBd-665/(Lit.), 280 /CBd-666/(Lit.), ferner 259 /CBd-657/ (Lit.). - Zum Tropaion: 252 /CBd-650/(Lit.). - Zur Inschrift ΕIΜI IAW: BONNER 245. - Zum Anguipedes: 181 /CBd-579/(Lit.). - Zum Gorgoneion: 619 /CBd-978/ (Lit.).

Vgl.: Zum Motiv der Vs.: Grüner Jaspis AGHAGUE 355 Taf. 172, 1119; Grüner Jaspis DELATTE-DERCHAIΝ 210 Νr. 286. BONNER 316f. Taf. 21, 375 /CBd-1527/; ferner schwarzer Jaspis HAMBURGER, CAESAREA 16, 33 Taf. 5, 116. - Zum Tropaion: 252 /CBd-650/(Vgl.). - Zum Motiv der Rs.: Heliotrop DELATTE-DERCHAIN 227 Νr. 312. - Zum Gorgoneion auf magischen Gemmen: Sche arzer Jaspis HAMBURGER, CAESAREA 18, 34 Taf. 6, 122; Magnetit PHILIPP, BERLIN 46 Taf. 10, 38 /CBd-2014/; Roter Jaspis BONNER, MISCELLANΥ 154f. Taf. 36, 42; Roter Jaspis BONNER 263f. Taf. 3, 64 /CBd-1038/; Roter Jaspis KING, GNOSTICS 445 Taf. M, 6; "Blutjaspis" I. BILKEI, Die griechischen Inschriften des römischen Ungarns, Alba Regia 17, 1979, 32 Νr. 26; Lapislazuli CASAL GARCÍA I 1891, II 82 Νr. 508; Serpentin und Hämatit DELATTE-DERCHAIN 226 Νr. 309.310; hier 66 /CBd-445/(Vgl.), 618 /CBd-977/(Vgl.).

 

Last modified: 2015-10-07 00:23:41
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