The CBd
Michel, BM on CBd-674
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 180, no. 288.

Serpentin, glänzend. Hochoval, beiderseits flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante abgerundet. Stark abgegriffen, kleine Absplisse auf der Vs. links und rechts unten. Medaillon.

3,0 x 2,5 x 0,4
3. Jh.n.Chr.
Gekauft von C. Merlin, Esq., Brit. Konsul in Piräus (1874).
Brit. Mus. Inv. G 454, ΕA 56454.

Vs.: Im Zentrum der Darstellung eine Mumie mit vier Flügeln und zwei Τierprotomen als Kopf über zwei Podest- oder treppenähnlichen Grundlinien schwebend. Körper, Arme und Beine sind innerhalb der zylinderförmigen, rautenartig gemusterten Fläche des Mumienkörpers nicht angegeben, die Federn der zwei waagerecht abstehenden Flügelpaare mit parallelen Schräglinien angedeutet. Die beiden Köpfe des Wesens mit schmalen länglichen Schnauzen und kurzen spitzen Ohren sitzen auf langen Hälsen mit Mähnen und zweigen pendantartig auseinander (Schakalköpfe?). Links, unter den Flügeln des Mischwesens, frontal eine ebenfalls rautengemusterte, kleine menschliche Mumie mit zwei vor der Brust gekreuzten Flagella. Der Kopf ist auf ein kleines Quadrat, das Gesicht auf ein Kreuz reduziert. Rechts unter den Flügeln des Mumien-Mischwesens im Profil nach links eine langgewandete Frau mit zum Mund geführter Rechten, das Profil nur durch drei kurze Kerben unter einer hutartigen Krempe angedeutet. Im freien Feld oben umlaufend eine stark abgeriebene und nicht mehr lesbare Inschrift in drei Reihen.

Rs.: stark abgegriffene Inschrift in acht Reihen:
IAWC
AΒAW..
ΒAWAΒP
ΑCAΞΜI
ΧAHΛCΟΥ
ΜAΡTAA
ΔWΝAΙ
IΕW
→Iaô, →Sabaôth, →Sabaôth →Abrasax, „Michael”,→Soumarta, ”beschütze”, →Adônai, Ieô für →Iaô
Die Inschrift zählt verschiedene Namen und Anreden einer Gottheit auf und bittet diese um Schutz. Auch in den Papyri werden diese Namen in Kombinationen genannt: Iaô, Sabaôth, Adônai, Abraxas (PREISENDANZ, PGM VII 649), „Ich beschwöre dich bei Iaô, Sabaôth, Adônai, Abraxas und beim großen Gott” (PREISENDANZ, PGM III 76f.) oder „Ich bin der Gott aller Götter: Iaô, Sabaôth, Adônai, Abraxas” (PREISENDANZ, PGM ΧII 74).
Die übergreifende zentrale Gestalt der pantheistische Mumie ist offensichtlich ein gnostischen Vorstellungen entsprungenes Komposit, das mit den wie schützend ausgebreiteten Flügeln - dem Pantheos auf dem Löwen entsprechend - als Schutzgottheit und Schicksalsmacht aufzufassen ist, was auch mit Hilfe der Inschriften artikuliert wird. Das Motiv scheint singulär zu sein, inhaltlich dürfte entsprechend den vorangegangenen Stücken der Regenerationsgedanke artikuliert sein.

Der Schnitt ist mit dem Schneidezeiger unter Zuhilfenahme des Stichels erfolgt, der Linienmuster wie die Rauten ermöglicht (Kopf und Gesicht der kleinen Mumie). Obwohl Linien überwiegen, ist der Schnitt nicht kleinteilig oder gar subtil, was angestrebt wird. Die Raumnutzung ist gut, die Proportionen angemessen. Der welche Serpentin ist stark abgegriffen, so daß die Intaglioübergänge fließend erscheinen.

Lit.: Zu Motiven und Thema: 264 /CBd-662/(Lit.), 279 /CBd-665/(Lit.), 280 /CBd-666/(Lit.), 289 /CBd-675/(Lit.), ferner 239 /CBd-637/(Lit.). - Zum Namen Michael: 41 /CBd-420/(Lit.).

Vgl.: Zum pantheistischen Mumienkomposit: Gelber und grüner PANNUTI, ΝAPOLI 307f. Νr. 273, 317ff. Νr. 282; hier 172 /CBd-570/ (Vgl.), 173 /CBd-571/(Vgl.). - Zu Thema und Inschrift IAW CΑBΑW ΜIXAΗΛ ΑΔWΝΕ: 289 /CBd-289/. - Zur Fig. mit Hand am Mund: 264 /CBd-662/ Vgl.), 280 /CBd-666/286 /CBd-672/.

 

Last modified: 2015-10-07 21:13:29
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/419

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