The CBd
Michel, BM on CBd-676
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 182, no. 290.

Dunkelgrüner Jaspis, poliert. Hochoval, beiderseits leicht konvex, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante nach vorn. Drei winzige Absplisse an der Kante oben und unten, in die Vs. reichend, rißähnliche Beschädigung auf der Rs. Medaillon.

3,3 x 2,7 x 0,5
3. Jh.n.Chr.
Gekauft von M. Garriri (1851).
Brit. Mus. Inv. G 11, EA 56011.

Vs.: Pantheos frontal auf einem im Profil nach links schreitenden Löwen, das linke Bein ist auf den Rist des Löwen, das in Schrittstellung angewinkelte rechte auf den Kopf gestellt. Der Löwe ist glatt, die Pranken kugelig verdickt, der Schwanz ohne Quaste s-förmig nach oben geschwungen. Der Kopf des Löwen zeigt ein geöffnetes Maul und ein ovales Auge, nur flüchtig sind mit einigen Kerben Mähne und Mähnenbart bezeichnet. Der Pantheos scheint unbekleidet, um die Hüften laufen gürtelartig Kerben, die in einen schräg nach rechts unten gerichteten Vogelschwanz enden. Bauch- und Βrustmuskulatur sind angedeutet, auch die Schultern sind durch Kugeln betont. Zwei Flügelpaare stehen waagerecht nach links und rechts ab, die Federn sind mit sauber gesetzten, gestrichelten Linien bezeichnet. Die Figur hat beide Arme leicht angewinkelt ausgebreitet und trägt je ein Was-Ζepter mit langem Schaft. Der frontale Kopf ist maskenhaft aus senkrecht und waagerecht verlaufenden Kurzkerben zusammengesetzt. Ζu beiden Seiten des Gesichts auf kurze Strahlen reduzierte Tierprotomen, auf dem Kopf eine große dreizackige Hehem-Krone. Unter der Ζweifigurengruppe eine Tabula ansata mit Inschrift in zwei Reihen:
ΦΥΛAΞΟΝA
ΠΟΚAΚΟΥ
φύλαξον ἀπὸ κακοῦ,
„Beschütze vor Übel”

Im freien Feld um Figur und Tabula zahlreiche kleine Βuchstaben in konzentrischen Kreisen, ohne Sinnzusammenhang, unter dem rechten Arm des Pantheos XΥΧ („Finsternis”) und unter dem linken Arm IAΗΛ (Endung eines Erzengelnamens?). Nach Merkelbach könnte ΧΥΧ als eine Form von ΚΑΚΕ, ΧAΚΙ oder ΧWWΧ, „Dunkelheit” erklärt werden. Mit ΒAIΧΥΧ wird ähnlich wie mit →Bainchôôôch der Sonnengott in seiner abendlichen Erscheinungsform als Atum angesprochen, der - nachdem er untergegangen ist - als „lebendiges Licht” die Dunkelheit der Unterwelt erleuchtet. Der die vielfachen Erscheinungsformen des Sonnengottes in sich vereinende Pantheos wird auf den Amuletten allgemein als Schutzgott angerufen.

Rs.: Gruppe von drei auf einer Tabula ansata stehenden Figuren, von links nach rechts: eine langgewandete Frau im Profil nach rechts mit zum Mund geführter Hand, in der Mitte eine unbekleidete männliche Figur, der ersteren im Profil nach links zugewandt und schließlich, im Profil nach links, eine auf eine Lanze oder einen Stab gestützte (weibliche?) Figur in langem Gewand. Um die Figuren verstreut sechs achtstrahlige Sterne. Ιn der Tabula ansata eine Inschrift in drei Reihen:
ΦΥΛAΞΟΝΑΠ
ΟΠAΝTΟCΚΑ
ΚΟΥIAW
φύλαξον ἀπὸ παντὸς κακοῦ, IAW,
„Beschütze vor allem Übel, →Iaô”
Unter der Tabula ansata Inschriftenimitationen in zehn Reihen.

Rand: Zwei umlaufende Reihen von Buchstabenfolgen, Anfang und Ende sowie Sinnzusammenhang sind nicht erkennbar.

Man nimmt an, daß es sich bei der Triade auf der Rs. um Schutzgottheiten handelt. Häufig sind es - wie hier - zwei wohl weibliche und eine männliche Figur in der Mitte, eine der Frauen hat zumeist einen Stab als Attribut, die andere die Hand zum Mund gefürt. Für ein Vergleichsbeispiel mit zwei männlichen und einer weiblichen Figur schlägt Schwartz vor, die Dioskuren Castor und Pollux bzw. in der weiblichen Figur eine Göttin zu sehen (Helena, Selene, Kybele, Hera, Artemis, Hekate, Astarte, Demeter, Nemesis oder Isis), auch könne sie die um Schutz bittende Trägerin des Amuletts darstellen. Nach Notizen von M. Smith deutet er die Figuren dagegen als Jupiter, Juno und Minerva. Die Figuren, die - sehr klein gearbeitet und im Detail schwer lesbar - an kaiserzeitliche Gemmenbilder mit der „Kapitolinischen Trias” erinnern und schablonenhaft adaptiert wurden, dürften ebenfalls im Zusammenhang mit Erlösungstheorien bzw. der Seelenwanderung stehen (vgl. Figur mit Hand am Mund).

Kleinteilig und detailliert geschnittenes Pantheosbild durch scharfe, klare Linien und saubere Flächen charakterisiert. Die Buchstaben sind kantig und miniaturhaft. Die Proportionen sind stimmig, die Raumnutzung gut. Offenbar ist auch für 291 /CBd-677/ sowie 292 /CBd-678/ die gleiche Vorlage benutzt worden, qualitativ überragt das vorliegende Stück jedoch in der Ausführung.

Publ.: BUDGE, GUIDE 240; E.A.W. BUDGE, The Mummy 2(1925) 332 (erw.); BONNER 46 Anm.6 (erw.); SCHWARTZ (1979) 176 zu Nr. 34 /CBd-1780/ (erw.).

Lit.: Ζu Motiven und Thema: F. CHAPOUTHIER, Les dioscures au service d' un déesse (1935) 21 - 123; BONNER 156ff., 253, 259; S. SAUNERON, Le problème du dien „Panthée”, JNΕS 19, 1960, 284f.; DELATTE-DERCHAIN 126ff; S. SAUNERON, Le papyrus magique illustre de Brooklyn (1970) 11ff. Fig. 2.3; AGD III KASSEL 241f. zu Nr. 175; SCHWARZ (1979) 173f.; PHΙLIPP, BERLIN 181, 109f. zu Nr. 176 /CBd-2455/; 264 /CBd-662/(Lit.), 279 /CBd-665/(Lit.), 280 /CBd-666/(Lit.), 289 /CBd-675/(Lit.), 300 /CBd-686/(Lit.) - Ζu ΧΥX (BIXΥΧ/ΒΑIΧΥΧ): MERKELBACH, ABRASAX 186 ΧIII 813, 108 IV 1633, 169 ΧΙΙ 218. - Zur Inschrift ΦΥΛΑΞΟΝ: BONNER 46, 180.

Vgl.: Obsidian SCHWARTZ (1979) 175ff. Taf. 37, 34 /CBd-1780/; Glas, schwarz ΚELSEY Museum Inv. 26070 /CBd-2313/; Grüner Jaspis ΖAΖOFF, HANDBUCH 359 Anm.63 Taf. 115; Steatit BONNER 296 Taf. 12, 261 /CBd-1439/; hier 291 /CBd-677/294 /CBd-680/, ferner 289 /CBd-675/(Vgl.), 295 /CBd-681/. - Zur Inschrift ΦΥΛΑΞΑΝ/ΦΥΛΑΖΟ ΑΠΟ (ΠΑΝΤΟC) ΚΑΚΟΥ: 289 /CBd-675/, 291 /CBd-677/, 292 /CBd-678/. - Ζu ΧΥΧ: 292 /CBd-678/.

 

Last modified: 2015-10-07 22:15:46
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/421

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