The CBd
Michel, BM on CBd-716
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 214, no. 339.

Hämatit, matt. Hochoval, beiderseits flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante nach vorn. Keine Beschädigungen. Ringstein.

1,2 x 0,8 x 0,2
3. Jh.n.Chr.
Aus der Sammlung Castellani (1872) Nr. 1416.
Brit. Mus. Inv. G 447, EA 56447.

Vs.: Aufrecht stehende Widderfigur auf einer Grundlinie im Profil nach links. Die Figur ist unbekleidet und ithyphallisch. Wenngleich die Bauch- und Brustpartie sowie die Arme mit menschlicher Muskulatur durchmodelliert sind und kein Fell angegeben ist, weisen Widderkopf und Hufe sowie das eckige, kurz abfallende Hinterteil auf einen Widderkörper hin. Der Widderkopf ist nur flüchtig mit kleinem Auge und leicht geöffnetem Maul angedeutet, klar hervorgehoben das nach innen gerollte Widderhorn und ein Stirnwulst. In der Rechten ein zweigähnlicher Gegenstand, die Linke hängt leicht angewinkelt neben dem Körper herab. Vor der Figur attributiv ein kleiner Widder im Profil nach links.

Rs.: leer.

Der Widder symbolisiert Ζeugungs- und Schöpfungskraft sowie Fruchtbarkeit. Bonner sieht in der Widderfigur eine späte Darstellungsform des Schöpfergottes Chnum, synkretisiert mit dem widderköpfigen Gott von Mendes. Die Widdergestalt war jedoch auch dem bekannteren thebanischen Sonnengott Amun Ra bzw. Amun Min eigen, der als Zeugungsgott oft mit erigiertem Phallus oder widderköpfig mit den typischen, spiralig eingerollten Hörnern dargestellt wird. Nach dem Alexanderroman des 3. Jh.n.Chr. soll der letzte ägyptische König, Nektanebos, nach Makedonien gekommen sein und in der Gestalt des Amun-Widders mit Olympias Alexander den Großen gezeugt haben. In Elephantine wurden Chnum und Amun gemeinsam verehrt und verschmolzen später miteinander. Auf magischen Gemmen erscheinen Widder und widderköpfige Figuren am häufigsten auf den Uterusamuletten - Hämatite, die in Zusammenhang mit Fruchtbarkeit, Schöpfung und Geburt stehen (374 /CBd-745/379 /CBd-750/).

Flüchtig, aber klar geschnitten. Details sind nur angedeutet, Bewegungen und Proportionen geglückt. Eine gute Arbeit im Vergleich zu anderen Steinen mit diesem Motiv, zumal es sich um einen sehr kleinen Stein handelt.

Publ.: BONNER, BRITMUS 324 Taf. 96, 15.

Lit.: Zum Widder/Bock von Mendes: HOPFNER, TIERKULT 89ff.; H. KEES, Der Götterglaube im alten Ägypten 2(1956) 80f.; G. MICHAILIDIS, Moule illustrant un texte d' Hérodote relatif au bouc de Mendčs, BIFAO 63, 1965, 139ff.; WORTMANN, NILFLUT 74 Anm.69.70. - Zum Thema Widder und widdergestaltige Götter: E.A.W. BUDGE, The Gods of the Egyptians II (1904) 354; ΗOFPNER, TIERKULT 89ff.; PHILIPP, BERLIN 101 zu Nr. 157 /CBd-2112/; ZWIERLEIN-DIEHL, KÖLN 72 zu Nr. 13 /CBd-1989/. - Zu mehrköpfigen Widdern: DELATTE-DERCHAIN 172f.; PHILIPP, BERLIN 79 zu Nr. 106 /CBd-208/.

Vgl.: Zum Motiv: Hämatit AGWIEN ΙII 161 Taf. 96, 2203 /CBd-1974/. -Zum kleinen Widder: Roter Jaspis PHILIPP, BERLIN 73 Taf. 21, 90 /CBd-2064/; ferner 374 /CBd-745/(Vgl.)378 /CBd-749/. - Zu widderköpfigen Figuren: 340 /CBd-717/(Vgl.).

 

Last modified: 2015-10-12 11:37:10
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