The CBd
Michel, BM on CBd-137
S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 168-9, no. 274.

Hämatit, stark poliert. Hochoval, beiderseits flach, Rand nach hinten abgeschrägt, Kante abgerundet. Kante links beschädigt und nachgearbeitet, kleine Absplisse am unteren und rechten Rand. Medaillon.

2,5 x 2,1 x 0,3
3. Jh.n.Chr.
Aus der Sammlung Τowneley (1805) Nr. 317/318.
Brit. Mus. Inv. G 33, EA 56033.

Vs.: Zwei tierköpfige menschliche Figuren auf einer doppelten Grundlinie mit kleinen x-förmigen Linien im Ζwischenraum, Beine und Köpfe im Profil einander zugewandt. Die linke Figur ist löwenköpfig, Mähne und Mähnenbart sind ausgeführt, das Μaul mit kleinem flachen Unter- und rundlichem großen Oberkiefer leicht geöffnet. Die Nase ist durch eine kleine waagerechte Kerbe angedeutet, auch ein Auge mit dickem Brauenwulst ist sichtbar sowie ein kleines rundliches Ohr oben links. Auf dem von einer Aureole mit sieben gebündelten Doppelstrahlen gerahmten Löwenkopf ein kleiner Sonnendiskus. Der Eselskopf der zweiten Figur ist ebenso kleinteilig ausgeführt: fischgrätenähnlich gemusterte Mähne, der Kopf typisch mit rundlicher Wangenpartie, länglichem Eselsmaul, kleinem Unterkiefer und prägnant emporragenden Eselsohren. Beide Figuren tragen Schuhe und einen kurzen, fein gestrichelten Schurz, Bauchnabel und Brustwarzen sind durch kleine Striche angegeben. Ein Arm ist jeweils gestreckt an der Seite gehalten, unter der Hand seilähnliche kurze Kerben. Mit dem anderen leicht angewinkelt ausgestreckten Arm berühren beide Figuren ein mit Linien überzogenes rhomboides Gebilde in ihrer Mitte, bestehend aus einer pfeilerähnlichen Mittelachse, die zusammen mit abzweigenden Seitenteilen von einer kurzen Querkerbe ausgeht. Die Seitenarme sind nach links und rechts ausbuchtend gezeigt und knicken dann zur Mittelachse zurück, die oben von einem Ring bekrönt ist. Innerhalb des Ringes ein kleiner sechsstrahliger Stern, oben eine abschließende kurze Querkerbe. In den Verzweigungen unten verteilt νier achtstrahlige Sterne.

Rs.: Inschrift in fünf Reihen:
AΕΕΗ
ΗΗΙΙΙΙΟΟ
ΟΟΟΥΥΥΥ
ΥΥWWW
WWWW
→Vokalreihe, anschwellend
Von Buchstabe zu Buchstabe nimmt die Anzahl der Vokale zu, so daß - angefangen mit einem A - die Reihe auf sieben Omegas anschwillt (solare Zahl).

Dargestellt sind auf einer durch x-Kerben bezeichneten Matte links der löwenköpfige Horus als Symbol Unterägyptens, rechts der eselsköpfige Seth als Symbol Oberägyptens. Der Gegenstand in ihrer Mitte ist die mißverstandene bzw. abgewandelte Ηieroglyphe sm3 t3wj - „Vereinigung der beiden Länder". Reminiszensen an die üblicherweise am sm3 verknoteten Lilie und Lotus als Symbol der Vereinigung sind auf dem Gemmenbild in den seilähnlichen Kerben unter den Händen der Figuren sowie in den x-Linien der vergegenständlichten Ηieroglyphe enthalten. Das Gemmenbild - ein Beispiel für das Fortleben der ägyptischen Hieroglyphen auf magischen Gemmen - beinhaltet den Gedanken „Vereinigen von etwas, was zusammengehört". Evident wird, daß die Bedeutung der Seth-Figur auf den Gemmen nicht einzig auf die Rolle des Bösewichts reduziert werden kann, sondern zu differenzieren ist. In der ägyptischen Religion hat Seth auch solare Züge und ist bespielsweise zusammen mit Horus Schutzgott des Königs oder steht gemäß Spruch 108 des Totenbuches am Bug der Sonnenbarke und bekämpft die Feinde des Sonnengottes.

Kleinteilige, saubere Arbeit mit Freude an Details, die ebenfalls sauber ausgearbeitet sind. Sicher und additiv gesetzte Linien bestimmen den Gesamteindruck des Βildes. Die Figuren sind gut proportioniert, Haltung und Bewegung überzeugend und die Raumnutzung gut. Ein qualitativ hochstehendes Stück. Während die Figuren in Muldenschnitt gearbeitet sind, ist die Mittelachse linear fein gezeichnet.

Publ.: BUDGΕ, GUIDΕ 240; Ε.Α.W. BUDGΕ, The Μummy2(1925) 332 (erw.); ΒOΝΝΕR, ΒRITMUS 323 Τaf. 96, 13 /CBd-137/; ΒΑRΒ, SETH OR ANUBIS? 371 Αnm.43; A. BIVAR, in: Μithraic Studies II (1975) 82 und Taf. 82.

Lit.: Zum Thema allg.: Ε.A.W. ΒUDGΕ, The Gods of the Εgyptians II (1904) 241ff, 360; A.ΕRΜΑΝ, Die Religion der Ägypter (1934) 37; ΒΑRΒ, SETH 0R ANUBIS? 367ff., 371. - Ζu Seth: R. WÜNSCH, Sethianische Verfluchungstafeln aus Rom (1898) 108ff., 116; Η.C. YOUTIE, The Heidelberg festival papyrus: 3. reinterpretation, in: P.R. Coleman-Νorton (ed.), Studies in Roman Εconomic and Social Ηistory in Ηonor of Allen Chester Johnson (1951) 189ff.; Ε. ΗORNUNG, Seth, Geschichte und Bedeutung eines ägyptischen Gottes, Symbolen, Jahrbuch für Symbolforschung, Neue Folge 2, 1974, 49-63; DERS., Das Totenbuch der Ägypter (1979) 207. - Zum Synkretismus Seth/Ηorus: J.G. GRIFFITHS, The conflict of Horus and Seth (1960) 12, 35ff , 148; Η. ΤΕ VΕLDΕ, Seth God of Confusion (1967) 63ff. - Ζu Ηorus/Löwe: 253 /CBd-651/(Lit.), 265 /CBd-159/(Lit.).

Vgl.: Ζu den anschwellenden Vokalen: 268 /CBd-165/. - Ζu Hieroglyphen auf Gemmen: Gesprenkelter Jaspis DRIOTOΝ (1947) 84f. Nr. 14 Αbb. B. - Zum löwenköpfigen Horus: 265 /CBd-159/(Vgl.), 267 /CBd-155/. - Ζu Leontokephaloi allg.: 268 /CBd-165/-273 /CBd-96/, 275 /CBd-86/(Vgl.), 276 /CBd-149/.
Last modified: 2015-08-06 11:20:20
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/53

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