The CBd
Michel, BM on CBd-972

S. Michel, Die Magischen Gemmen im Britischen Museum, 2001, 351, no. 613.

Unreiner Sardonyx in mehreren Lagen, weißlich transparent, braun, hellgelb, Vs. stark poliert, Rs. matt. Hochoval, beiderseits flach, Rand stark nach vorn abgeschrägt. Quer gebrochen, geklebt, die Bruchlinie als Schlange ausgebessert.

4,25 x 3,2 x 0,75
17./18. Jh.n.Chr.
Gekauft durch G. Eastwood, Esq., Hawkins sale, Sothebys.
Brit. Mus. Inv. G 9, EA 56009.

Vs.: Hermenhafte Mumie in Vorderansicht auf einem Podest, auf dem sich nach oben verbreiternden Körper rundliche und sichelförmige Zeichen. In Variation zu 609 /CBd-968/ ist weder Bart noch langes Haar erkennbar, auch die Krone fehlt, das Gesicht ist nicht näher ausgeführt. Die Figur hat beide Arme rundgebogen vor der Brust gekreuzt. Um die Füße der Mumie scheinen sich Schlangen zu winden, die Köpfe sind nicht näher identifizierbar. Im freien Feld links und rechts Initialen oder ->Charakteres, ähnlich denen auf 609 /CBd-968/ (Rs., Alpha und Omega?).

Rs.: Oben ein großer Skorpion mit nach rechts gebogenem Schwanz und Stachel sowie acht Beinen, in Aufsicht senkrecht nach oben. Über den großen Zangen des Tieres ein sechsstrahliger Stern, links des Skorpiones ein Pentagramm, rechts ein durch fünf Senkrechte gitterähnlich gemustertes Rechteck, von dessen oberer rechten und unterer linken Ecke je ein kurzer Schrägstrich absteht, um eine Diagonale zu markieren. Im unteren Segment des Bildfeldes eine große Languste in Aufsicht nach rechts. Zwischen den Tieren eine (hebräische?) Schriftzeile. Eine ursprünglich zweite Reihe der Inschrift ist durch den Bruch und die Nachbesserung in Form einer gerippt gemusterten Schlange mit leicht geöffnetem Maul verlorengegangen.

Rand: Vier Schlangen, jeweils einander am Schwanz fassend und so als Ouroboros die Bildseite rahmend.

Eine bei Mariette und Reinach abgebildete quadratische Chalcedon-Gemme mit einer Mumie auf einem „Schlangendrachen” ähnelt dem vorliegenden Stück weitgehend in Motiven und Inschriften und könnte mit als Vorlage gedient haben. Das unsauber gezeichnete Pentagramm ist ein fünfzackiger Stern aus zwei ineinander verschränkten und in einem Zuge gezeichneten Dreiecken. Dieses alte magische Zeichen galt bei den altgriechischen Pythagoräern als Symbol für Gesundheit und wäre in diesem Sinne inhaltlich auch sinnvoll mit der Schlange zu verbinden. Von den Sekten der Gnosis wurde das Zeichen häufig auf Gemmen dargestellt, im Mittelalter diente es unter der Bezeichnung „Drudenfuß” als Abwehrzauber gegen Dämonen und Geister. Der Skorpion mit Stern dürfte als astrologisches Symbol zu verstehen sein.

Der Schnitt erinnert an die Arbeit eines Kameoschneiders und ist als grobe neuzeitliche Arbeit anzusehen. Die Steinvarietät ist unter den magischen Gemmen der Antike nicht geläufig.

Lit.: Zum Motiv der Vs.: 609 /CBd-968/(Lit.). - Zum Pentagramm: F. SCHOUTEN, The Pentagram as a Medical Symbol. An iconological Study (1968); AGWIEN III 292 zu Nr. 2700 /CBd-2518/. Zum Skorpion: 342 /CBd-719/(Lit.).

Vgl.: zum Motiv der Vs.: ChaIcedon-Frgt. DELATTE-DERCHAIN 159 Nr. 207; ferner Heliotrop Landesmuseum STUTTGART Inv. 924 (unpubl., flankiert von je einem entenähnlichen Vogel); Grün-brauner Jaspis FLORENZ Mus.Arch, Inv. Amulette 70 (unpubl., auf riesigem, straußenähnlichem Vogel); ferner hier 609 /CBd-968/(Vgl.), 611 /CBd-970/, 612 /CBd-971/, 614 /CBd-973/616 /CBd-975/. - Zu den Symbolen der Rückseite: Karneolonyx AGWIEN III 292 Taf. 211, 2700 /CBd-2518/. - Zum Skorpion mit Stern: 343 /CBd-720/(Vgl.), 344 /CBd-721/.

Last modified: 2016-02-12 21:35:53
Link: cbd.mfab.hu/pandecta/837

Related objects: 11 item(s)